48 Stunden vor dem Start

Posted on 19.11.2015


48 Stunden vor dem Start. Ich sitze im Flieger. Bei einem Tee und ein paar Nüssen bereite ich meine persönlichen Dinge vor. Genauer, mein persönliches Ding. Das Einzige, was ich für die kommenden fast zwei Monate mitnehme, ist mein iPhone in einer wasserdichten Hülle. Dazu habe ich ein paar wasserdichte Bluetooth-Kopfhörer.


Freunde haben mir Hörbücher empfohlen. Albernes Zeug wie die Känguru-Chroniken. Ich hab meine Musik, Ted-Talks, ein Album persönlicher Fotos und ein paar Bücher in der Kindle-App: Eins von Marc Bielefeld, einem befreundeten Autor, einen schönen Schmöker vom Hamburger Ankerherz-Verlag.

Man weiss ja nie: Wenn etwas unplanmäßig verläuft, könnte uns die Zeit lang werden: (Ich male das nicht weiter aus, weil ich als Seemann total abergläubisch bin). Wenn alles nach Plan läuft, werd ich ohnehin nicht viel Zeit haben. Es hilft mir manchmal zum Einschlafen, zum Runterkommen 5 Minuten Musik anzumachen oder ein Hörspiel. Wir schlafen ja nur zwei Stunden am Stück – ein völlig verrückter Rhythmus – Lesen und alles andere wird rar. Ich nehme mir vor, diesen Luxus so lange wie möglich aufzubewahren, gerade in den ersten Wochen mich voll und ganz zu konzentrieren und mich nicht abzulenken.

Ich habe mein iPhone in der Vergangenheit oft für persönliche Videos und Fotos genutzt und bei Vorträgen gemerkt, dass diese Erinnerungsvideos oft besonders wertvoll sind, da vollkommen ungestellt. Außerdem habe ich auf dem Gerät eine App, um den Navigationscomputer zu spiegeln. Somit kann ich uns sicher zwischen den Steinen der Bretonischen Küste zur Startlinie navigieren. Als Backup für einen eventuellen Blackout sind auch Seekarten auf dem Gerät.

Worauf ich mich wirklich am meisten freue, ist das Steuern bei guten Bedingungen. Dann ist das Boot einfach phantastisch. Vom Steuern hängt sehr viel ab, unsere Sicherheit und unser Speed. Man kann ganz leicht 5 Knoten schneller und langsamer steuern. Wenn man den scheinbaren Wind rauschots verliert, dauert es wieder einige Minuten bis zum vollen Speed. Das sind also bis zu 10 Knoten Speedunterschied, wenn der Steuermann mal kurz abgelenkt ist.

Sich selbst vergessen.

Anyway, all diese Gedanken zu meinem Iphone sind so kleine Tricks zur Selbstberuhigung. Mit der Realität so eines Rennens hat es am Ende wenig zu tun. Was es wirklich braucht, ist loszulassen, die Lieben daheim zurückzulassen, zu akzeptieren, dass man startet und aller Kompfort und all diese bequemen Ablenkungen für einen nicht mehr existieren. Man muss sich selbst vergessen, den Kopf ein Stück ausschalten, das Ego ausblenden. Es geht nur um diese 45 Tage 13 Stunden 42 Minuten und 53 Sekunden. Eine Minute müssen wir schneller sein. An sich ein Ding der Unmöglichkeit. Genau deswegen fasziniert mich diese Herausforderung, dieser Route.

8 Comments

  1. Guten Morgen, lieber Boris! Danke für die Mitteilung Deiner Gedanken und Gefühle so kurz vor dem großen Abenteuer. Ich bin sehr gespannt darauf und wünsche Euch einen guten Start und viel Glück! Pass auf Dich auf!
    Liebe Grüße von ULLA

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    • Moin Boris,
      schön geschrieben!
      Ich wünsche Dir/Euch viel Glück und Erfolg …. und dass Ihr frisch und munter
      wieder zurück kommt! Immer schön knapp an der Windkante entlang und nicht soviel mit dem Smartphone rumdaddeln-dann wird das schon!
      LG aus Bremen

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  2. Guten Morgen,

    was ist das denn für ein Rennen?
    In der Tat sehr gur geschrieben. Ich freue mich schon auf das Buch von der kommenden Vandee Globe.

    Beste Grüße, Sussi

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  3. Hi Boris
    Toller Text. Alle freuen sich auf Deinen Vortrag (Deine Bilder und Videos) vor dem Blankeneser HochSeeSegler Ende März.

    LG
    Ulf

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  4. Alles Gute Boris,
    kommt gesund wieder retour!

    Wünsche Euch fair winds and following seas!

    LG Markus

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  5. Lieber Boris!
    ich habe deine Berichte & blogs schon immer sehr gerne gelesen & jetzt freue
    ich mich schon auf dieses neue Abenteuer!
    Wünsch viel Erfolg & Glück ;-)
    Lieben Gruß aus der Strackerjanstrasse,
    Christiane

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  6. Hallo Boris, mir wird schon bei der Vorstellung Deiner Blitzreise schwindelig…
    Ich wünsche Dir das richtige Wetter, gute Stimmung auf dem Boot, das korrekte Funktionieren aller Instrumente und ein gutes Gelingen Deiner/Eurer Aktion.
    Hannah

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