Boris stellt in Hamburg neues Projekt vor

Boris stellt in Hamburg neues Projekt vor

Die Hamburger Bootsmesse ist seit Jahrzehnten der Anlaufpunkt für alle Segler des Nordens. Kein Wunder also, dass Boris sie sich ausgesucht hat, um der Presse sein neues Segelprojekt vorzustellen, das ihn zusammen mit einem großen Team um Giovanni Soldini einmal rund um den Atlantik tragen wird. Alle Informationen dazu könnt ihr folgendem Text entnehmen.

Wie schnell kann ein Segelboot den Atlantik überqueren? Schneller als die meisten Frachter jedenfalls, behaupten Boris Herrmann und Giovanni Soldini, zwei Hochseehelden aus Deutschland und Italien. Skipper Soldini und Herrmann als Navigator greifen mit einer zehnköpfigen internationalen Crew auf der speziell für dieses Ziel getunten 70-Fuß-Yacht „Maserati“ an. Weitere Hauptsponsoren sind „Generali“ und die Schweizer Bank „BSI“ aus der Unternehmensgruppe des Versicherers. In höchstens sechseinhalb Tagen will das Team es im April von New York nach England schaffen und damit einen neuen Rekord für diese prestigeträchtige, fast 3.000 Seemeilen (5.400 km) lange Strecke aufstellen. Die Hintergründe und Herausforderungen der Hochseejagd gaben Herrmann und Soldini am Dienstag (1. November) auf der 52. Internationalen Bootsausstellung hanseboot in Hamburg bekannt.

„Der Kampf allein gegen die Uhr in einem selbstgewählten, idealen Wetterfenster, das macht den besonderen Reiz im Vergleich zum üblichen Regattasegeln aus, wo der Wind zu nehmen ist, wie er gerade kommt, und die Gegner die Taktik mitbestimmen“, erklärt Boris Herrmann seinen nächsten Coup. Im April dieses Jahres hatte der geborene Oldenburger mit Standbeinen in Hamburg und München, der derzeit in Barcelona lebt und für den Kieler Yacht-Club startet, als erster Deutscher überhaupt eine Regatta nonstop um die Welt erfolgreich beendet und war beim Barcelona World Race mit Ryan Breymeier (USA) auf dem Open 60 „Neutrogena“ Fünfter geworden. Die Rekordjagd mit Soldinis Mannschaft dient Herrmann auch als Winterprogramm in Vorbereitung auf die Vendeé Globe, das härteste Einhandrennen ohne Halt rund um den Globus, welches im November 2012 in Frankreich beginnt.

Bis dahin stehen drei verschiedene Atlantikrouten im Focus. Bereits im Januar will die Zehner-Crew so schnell wie möglich vom spanischen Cadiz in die Karibik nach San Salvador (Bahamas) segeln, das sind 3.884 Seemeilen. Im März geht es von Miami/Florida über 947 Seemeilen nach New York. Während es auf diesen beiden Strecken offiziell beim World Speed Sailing Record Council WSSRC, das über alle Rekorde wacht, nur Mehrrumpf-Bestzeiten aus 2007 durch Frank Cammas Trimaran „Groupama“ gibt, wartet die eigentliche Herausforderung auf dem Nordatlantik von West nach Ost: Exakt 2.925 Seemeilen vom Ambrose-Leuchtturm vor New York nach Lizard Point, der Südwestecke Großbritanniens. Sechs Tage, 17 Stunden, 52 Minuten und 37 Sekunden sind zu unterbieten, 18,05 Knoten im Schnitt, aufgestellt 2003 von der doppelt so langen, britischen Mega-Yacht „Mari Cha IV“.

Doch Bootsdesign und -technik haben sich seitdem rasant weiterentwickelt. Das Geschwindigkeitspotential der gut 21 Meter langen „Maserati“ ist enorm. Ursprünglich als VO70-Yacht mit 30-Meter-Karbonmast, Wasserballast, Schwenkkiel und Seitenschwertern konzipiert, wurde sie in den vergangenen drei Monaten auf einer Werft in Genua „frisiert“. „Das Schiff ist jetzt zehn Prozent leichter als vorher und hat durch Verlängerung der Kielfinne ein größeres aufrichtendes Moment“, erklärt Soldini, der von einem „Lebenstraum“ spricht, wenn er über den Bruch des Transatlantikrekords philosophiert. Außerdem wurde der Gewichtsschwerpunkt der Yacht nach hinten verlagert. Das soll der „Maserati“ höhere Geschwindigkeiten vor dem Wind erlauben als der VO70-Klasse.

Und die ist bereits rekordverdächtig schnell, löschte sie doch 2005 den damals zwei Jahre alten 24-Stunden-Weltrekord der „Mari Cha IV“ von 525,7 Seemeilen aus. Der Brasilianer Torben Grael schraubte diesen 2008 mit der VO70 „Ericsson 4“ inzwischen auf sagenhafte 596,6 Seemeilen, das sind 1.100 Kilometer, also Deutschland von Nord nach Süd an einem Tag. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 24,85 Knoten, entsprechend fast 46 km/h. „Natürlich haben wir die magische 600er-Marke auch im Auge“, so Boris Herrmann, „wenn das Wetter stimmt, sollte das im Bereich des Möglichen liegen.“

Als Navigator wird es zunächst seine Aufgabe sein, Wetter- und Windstatistiken der Vergangenheit auszuwerten, um daraus ein Wunschszenario für eine Rekordfahrt zu entwerfen. Steht die „Maserati“ in den Startlöchern, muss dieses Szenario anhand der aktuellen meteorologischen Entwicklungen vorhergesagt sowie der günstigste Zeitpunkt für den Startschuss gefunden werden. „Beim Wetterrouting helfen uns zwar modernste Software und viele Daten“, erläutert Herrmann, „aber die persönliche Erfahrung und ein Gespür für Wind und Wetter sind unabdingbar.“ Sein Skipper hat dazu allein 30 Atlantiküberquerungen in die Waagschale zu werfen.

Im Wettkampf mit anderen haben beide sich mehrfach bewiesen. Giovanni Soldini, 45 Jahre alt, ist spätestens seit dem Gewinn der Einhand-Regatta Around Alone 1999 ein Star des weißen Sports, nicht nur weil er unterwegs auch noch die Französin Isabelle Autissier aus Seenot rettete. Schon 1996 schlug er einhand mit der nur 50 Fuß langen „Kodak“ beim Rennen Europe 1 Star am Wind bis auf einen alle 60-Füßer. Boris Herrmanns Stern ging 2008 auf, als er – 15 Jahre jünger – hinter eben diesem italienischen Überflieger Soldini Zweiter im Artemis Transat über den Atlantik wurde. Seitdem kennen und schätzen sich die beiden Hochseeartisten. Mehr noch. „Giovanni war unser Mentor, als ich 2009 mit Felix Oehme das Portimão Global Ocean Race gewann“, sagt Herrmann voller Stolz.

Immer wieder kreuzten sich ihre Wege; beide haben inzwischen zweimal die Welt umrundet, segelten aber meist allein oder in Zweimann-Crews. Nun kämpfn sie gemeinsam gegen die Zeit. Die volle Mannschaft soll in den nächsten Wochen bei ersten Trainings in Italien zusammengeschweißt werden. Noch vor dem Jahreswechsel erfolgt die Überführung nach Cadiz, wo das Team im Januar auf Stand-by für die erste Passage geht. Für Boris Herrmann wird es eine ganz neue, spannende Erfahrung: „Das Segeln mit großer Mannschaft, wo jede Position individuell besetzt ist, reizt mich enorm, auch wenn das nächste große Ziel danach eine Einhandregatta ist.“ Denn die Vorbereitungen für seine Vendeé-Kampagne laufen parallel auf Hochtouren.

Hier ein Beitrag von YACHT-tv:

Am kommenden Wochenende wird Boris außerdem am Samstag und Sonntag (5. und 6. November) am Stand der YACHT in Halle B2 jeweils um 12 Uhr von seiner Teilnahme am Barcelona World Race berichten. Die letzten zwei Vorträge waren schon enorm gut besucht, vor allem von jüngeren Seglern.

 


One Response to “Boris stellt in Hamburg neues Projekt vor”

  1. Thorsten Mewes sagt:

    Der Typ in der 1. Reihe, den kenn ich ;-) War ein toller Vorrag und ich kann es kaum erwaren, wenn die Vendee endlich los geht. Schade um das BWR Buch, aber das läuft ja nicht weg…Viel Spaß und vorallem viel Erfolg bei den Transatlantik Rekordversuchen !!! Bis bald, dann aber jetzt echt mal auf ein Bier…kann ja nicht angehen.
    Thorsten


Copyright © 2014 Boris Herrmann Racing. All rights reserved. Impressum