Gänsehaut pur- der Start

Posted on 08.11.2017


“Gänsehaut pur”
Start für das Zweihandrennen Transat Jacques Vabre 2017 von Le Havre, Frankreich nach Salvador, Brasilien

“Das ist Gänsehaut pur, ein großer Moment” sagt Boris mit einem Lächeln im Gesicht und steigt auf die Malizia II. Er wirkt ruhig und konzentriert. Thomas Ruyant, sein Teampartner, und Boris werden im Hafen von Le Havre von ihren Fans mit herzlichen Umarmungen verabschiedet. Auch Frankreichs Staatspräsident Macron zeigt am Vortag des Rennens sein Interesse und verabschiedet die Segler vor der Hatz nach Brasilien. Spannung liegt in der salzigen Meeresluft – Vorfreude ist zu spüren. Nach der Arbeit der letzten Wochen liegt die Malizia II perfekt vorbereitet im Hafenbecken.
Gischt spritzt meterhoch über die Hafenmole und glitzert im dramatischen Licht der Sonne, die sich passend zum Start zeigt.

Leinen los, auf geht’s!
Einige tausend Zuschauer haben sich aufgemacht, die 37 Boote in vier Klassen auf die Reise zu schicken und jubeln den Skippern zu. Das Begleitboot kämpft sich durch die raue aufgewühlte See mit meterhohen Wellen. Es bieten sich malerische Bilder der sich formatierenden Rennboote vor der Küste von Étretat. Wie bei einer Jollenregatta liegen die Boote dicht nebeneinander und lassen Thomas die Entscheidung zu einer schnellen Wende treffen.
4500 Seemeilen entlang der Kaffeeroute liegen vor dem Team. In knapp zwei Wochen werden die Sieger bereits im Ziel erwartet.
„Zum ersten Mal überhaupt ist der Yacht Club de Monaco bei diesem prestigeträchtigen Wettbewerb dabei“, freut sich Vizepräsident Casiraghi, der aufgrund beruflicher Verpflichtungen schweren Herzens auf die eigene Teilnahme verzichten musste. Der Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco fiebert in der Heimat am Computer mit.

Photo Mark Lloyd

 Photo Jean-Marie Liot

Die Konkurrenz vom Team Malizia ist jedoch hart. Mehrere Führungswechsel in der ersten Nacht auf See sind Zeugnis der Leistungsdichte unter den 13 Open 60 der IMOCA Klasse.
Boris und Thomas Ruyant schlagen sich gut durch die erste Nacht und können sich gleich nach dem Start in der Spitzengruppe festsetzen. Die dichtesten Rivalen sehen sie sogar in der Nacht. Die nächsten Boote werden beängstigend nah passiert. Sehr schnelles und nasses Segeln bei Vollmond bestimmt die erste Nacht.


Die Wellen auf der berühmten Passage bei Ouessant sind unglaublich. Boris schreibt vom Boot: “Wir haben vor dieser Passage vergessen, das Luv-Ruder runterzulassen. In einer der supersteilen Wellen verlangsamt das Boot stark und schießt unter Autopilot in die Sonne. Ich habe Angst vor so einer Patenthalse, springe zur Pinne und versuche mit der Verlängerung zu steuern. Doch die irren Bewegungen des Bootes schmeißen mich auf den Boden, und ich breche die Pinnenverlängerung ab. In diesem Moment rast ‘Virbac’ an uns vorbei. Wir sind froh, den wilden Wahnsinn in einem Stück zu überstehen.”
Hinter der Insel von Ouessant verlieren Boris und Thomas am Montag auf ‘SMA’ und ‘Les Voiles et Vous’ einigen Boden. Der Tag (Montag) beginnt mit leichteren Winden und Segelwechseln. Nachmittags stößt die Malizia weiter westlich als die SMA auf die Spitze zu.
Kurz danach erwartet die Segler eine neue Herausforderung. Boris berichtet: “Während ich im Cockpit kniend die Leinen sortiere – Thomas schläft –, schaue ich hoch und sehe etwa 100 Meter neben uns ein Containerschiff. Es ist riesig! Mein Herz setzt aus! Ich brülle nach Thomas, springe zum Ruder und fahre eine Crash-Wende. Mit Ballast in Luv, der gesamten Segellast auf der Luvseite und dem backstehenden Vorsegel kommt sehr viel Wasser ins Cockpit. Das war hier für einen Moment so gar kein schöner Anblick. Einige um uns herumstromernde Delphine allerdings scheinen sich angesichts unserer Aktivitäten zu amüsieren. Thomas nimmt es gut auf und geht wieder schlafen. Weiter geht’s in Richtung Westen. Wir warten darauf, das erste Reff einzubinden.”

Die See bleibt aufgewühlt, riesige Wellen und bis zu 40 Knoten Wind bestimmen die Folgezeit. Boris und Thomas kämpfen hart auf der Malizia.

2 Comments

  1. He, Boris!
    Ich wünsche Euch, dass weitere Schreckmomente erspart bleiben.
    Klaus und ich sind ab morgen auch unterwegs. Moritz

    Post a Reply
  2. Hallo lieber Boris, ganz so spannend muß es vielleicht nicht bleiben. Aber Ihr seid ja in guter Position. Ich drücke Euch die Daumen und wünsche Euch eine erfolgreiche Weiterfahrt!
    Liebe Grüße von ULLA

    Post a Reply

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