Unser großer Tag

Tags

, , ,
Unser großer Tag

Wachwechsel. Ein Blick aufs GPS – noch 50 Meilen bis zum Kap Hoorn. Ich hab diesmal Zeit, mich etwas vorzubereiten und nicht direkt am Felsen aufzuwachen. Die Zeit fliegt dahin. Mein typisches kleines Frühstück, Wetter checken, Batterien laden, Emails durchgehen. Ich finde Mails der Rennleitung zu unseren bevorstehenden Begegnungen und bin aufgeregt, wie an Silvester. Es ist ja auch wie unser Silvester, die große Zäsur. Das Kapitel „Southern Ocean 2011“ wird geschlossen, von hier starten wir auf in unser Jahr 2012. Wir müssen nur noch festen Boden unter die Füße bekommen, zum ersten Mal in diesem Jahr!

Diesmal haben wir mehr Glück mit dem Tageslicht, als bei meiner Letzten Weltregatta. Ich kann die Landschaft ums Kap Horn im Morgengrauen auftauchen sehen. Eine zerklüftete, bizarre Bergkette mit Gipfeln, die zum Teil mehrere tausend Meter hoch und schneebedeckt sind. Alles ist in ein geheimnisvoll schattiertes Grau gehüllt. Einer der Berge sticht heraus, wirkt markant, irgendwie magisch. Da ist es … das Kap Hoorn. Wir sind noch 20 Seemeilen entfernt. Genau hinter seiner Silhouette kommt die erste Morgenröte hervor.

Ich maile Thomas Coville auf dem Maxitrimaran “Sodebo” unsere Position. Skipper Guiermo Atadill kündigt sich mit einem Marinekreuzer an. Ein Frachtschiff taucht ebenfalls auf dem Bildschirm auf. Ich höre “Cabo de Hornos control” im UKW mit jemandem funken. Plötzlich gibt es in unserer kleinen Welt wieder andere Menschen, außer uns beiden.

Einen Moment lang bin ich noch alleine an Deck, starre gebannt auf das Land. Es hat eine mystische Anziehung auf mich, ist es doch einer der entlegensten und unwirtlichsten Orte der Welt. Unser höchster Gipfel auf einer Weltumseglung, der südlichste Punkt. Von hier ist es nicht weit in die Antarktis. Aber auch nicht mehr weit bis nach Hause.

Boris

—–

Das Renngeschehen wird von euch ja sicherlich ohnehin auf barcelonaworldrace.org und auf dem Tracker verfolgt. Hier trotzdem, was zuletzt passiert ist:

Nach ihren Problemen mit dem Solent konnten Boris und Ryan gestern Abend erschöpft die Verfolgung aufnehmen. Boris twitterte dazu (von mir übersetzt): Wir lagen nur 100 Meter von der Küste entfernt in einer kleinen Bucht, ganz nah dem Feuerland. Jetzt sind wir zurück auf der Piste. Den Solent können wir vergessen – also auch weniger Arbeit, was? Die Sonne geht hinter den verschneiten Bergen unter. Was für ein langer Arbeitstag.

Sie scheinen den Ausfall dieses Arbeitssegels also mit Humor zu nehmen. Wahrscheinlich der einzig sinnvolle Weg. Heute morgen twitterte Boris dann folgendes: Kurs Nord, genau nach Barcelona. Zurück nach Hause. Es wird schon langsam wärmer, bereits 9 Grad. “Neutrogena” und Crew geht es gut. Wir jagen nach wärmeren Regionen und trotz aller Probleme sind wir vollständig zurück im Rennmodus.

Im Kielwasser der “Neutrogena” hat es eine bedeutende Umstrukturierung gegeben. “Mirabaud” gelang es, sich an “Estrella Damm” vorbei zurück an den fünften Platz zu schieben. “Groupe Bel” ist nach dem Kap links abgebogen und in den Fjord nach Ushuaia hinein manövriert. Noch gibt es kein klares Statement, aber es wird bereits gemunkelt, dass das Rennen aufgrund von schwerwiegenden Kielproblemen an dieser Stelle für sie vorbei sein wird. Eine tragische Wendung. Boris schrieb in der letzten Mail von Bord: Betroffen macht uns “Group Bels” Kielproblem. Kito hat das wirklich nicht verdient.

(Johannes)

—–

Hier seht ihr einige Videos vom Kap Hoorn – in Deutsch und in Englisch. Außerdem ein Kurzvideo über die Reparatur des Solent-Stags:




—–

Zwischenstand beim Barcelona World Race am Donnerstag (10. März, 01.00 Uhr):

1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich)

2. Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 156 Seemeilen zurück

3. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 1.221

4. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1.501

5. Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) 1.644

6. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 1.655

7. Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) 1.751

8. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 2.327

9. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Frankreich) 2.433

10. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 4.380

11. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 6.443

12. We are Water: Jaume Mumbrú (ESP) / Cali Sanmartí (beide Spanien) 6.444

Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch

Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch


13 Responses to “Unser großer Tag”

  1. Bronsky sagt:

    Der Tracker meldet: 1 kn schneller als die spanischen Franzosen!
    Doin` the Neutron Dance! (Pointer sisters – add to playlist)

  2. Ralf sagt:

    Halo ihr beiden!!

    Grandios – was ihr da treibt – für euch ist es eine lange Zeit – für uns verkürzt es den Winter.

    Mal ne Frage: Könnt ihr eurem letzten Hydraulikzylinder nicht helfen, indem ihr den Kiel mit etwas Dynema an der Rumpfseite festlascht und wenigsten etwas Druck vom Zylinder nehmen könnt, und dann vielleicht den Kiel doch ein paar Grad mehr schwenken könnt, und dann doch ein paar Knoten schneller segelt, und dann nicht mehr eingeholt werded ….

    Drück euch alle Daumen und versuche Alpträume von brechenden Hydraulikzylindern zu unterdrücken

    Ralf

  3. holo sagt:

    Hallo Boris, hallo Bryan
    Gratulation zur Hoorn-Rundung. Haltet die Ohren steif und den Speed im Schiff. Hoffentlich gibt es keinen Bruch mehr. Bye, bye holo.

  4. thomas & simone sagt:

    hallo boris und ryan,
    vielen dank für die emotionalen eindrücke von der kap hoorn rundung. aber noch kurz zum bericht von johannes … ihr seid 2010 gestartet und nun ist 2011 …. ich setzt also auch im april 2011 die beine wieder auf festen boden und nicht erst 2012 oder fahrt ihr noch ne runde ??
    viel glück mit der hydraulikzylinder auch wenn der kopf 24 stunden daran denkt…
    sonnige grüsse aus portugal
    simone & thomas

  5. Markus sagt:

    Hi Boris, Ryan,

    danke fürs dabei sein am Hoorn! Ich finds gut, dass ihr trotz allem HighTech weiterhin schön abergläubisch bleibt und die Fat Lady ist quasi ein MUSS!

    Mal was ganz anderes: Guttenberg hat sich für seinen Zapfenstreich “Smoke on the water” gewünscht.

    In diesem Sinne: Weiter ROCK’n ROLL!
    Markus

  6. Michael von Tülff sagt:

    Moin Jungs,
    es tut gut, Euch wieder segeln zu sehen – und zwar Richtung Barcelona und nicht – wie GROUPE BEL – nach Chile…
    Ich wünsche mir für Euch einen leichten Am-Wind Kurs, bei dem Ihr die Überlegenheit der NEUTROGENA gegenüber den reinen Halb-Wind-Gleitern ausspielen könnt, aber das kommt noch, da bin ich mir sicher. Bis jetzt sieht der Speed doch gar nicht so schlecht aus. Bin mal gespannt, wo Ihr in der 1500 h Meldung steht – wenn es bis dahin nur nicht so lang wäre :-(
    Euch einen guten Tag mit viel Meilen im Kielwasser,
    Euer Michael aus Nürnberg (8 Grad, bewölkt leichter Nieselregen)

  7. Jan sagt:

    Es bleibt ja spannend. Es scheint als entscheidet sich Eure Exkursion letztendlich als inshore Regatta wenige Meilen vor Barcelona – und Sieger wird wer am Schluss noch genug Proviant hat. Aber heute beginnt ja eh die Fastenzeit.
    lasst den Zylinder und alles Andere heil

    Gruss
    Jan

  8. Christiane B. (Strackerjanstr.) sagt:

    Hi Boris!
    2, Mal, daß ich “mit Dir/Euch” das Kap Horn umrunde! Gratuliere! Auch für mich an Land ein toller Augenblick, als wär man dabei! Schöne Bilder

    Hi Ryan!
    Je ne savais pas que tu parles francais?! Et apparemment pas si mal :-) Félicitations pour votre voyage passionnant même pour moi, qui n’est jamais mis les pieds sur un bateau à voile! Bonne route et bons vents!

    Christiane

  9. Christiane B. (Strackerjanstr.) sagt:

    Menno! Das muß natürlich “qui n’ai jamais mis les pieds …” heißen, peinlich!
    Gruß, Christiane

  10. Sebastian sagt:

    Hi both,
    I’ve checked passageweather.com to see your local wind conditions. It seems that you’re getting stuck in a local low pressure with only little wind. Hope you are through it quicker than it looks. Best of all for you and do the wind dance!!
    Best,
    Sebastian

  11. ED sagt:

    Hallo Boris,
    Glückwunsch zu Eurer letzten Kap-Umrundung (auf d i e s e m “Round the World-Race”) See You in Barcelona …
    Ed + Julia

  12. ULLA sagt:

    Hallo lieber Boris, herzlichen Glückwunsch Euch Beiden zur Kap-Umrundung. Schön, dass Ihr uns per Video mitgenommen habt, es ist doch ein besonderer Moment. Und Dein Freund, der Albatross, hat Euch begleitet. Gute Fahrt weiter, viele liebe Grüße von ULLA

  13. Rainer Seifert sagt:

    Lieber Boris und Ryan,
    auch von mir die herzlichsten Glückwünsche zur Rundung vom Kap Hoorn, dem letzten großen auf dieser Strecke.
    Eure bisherige Leistung ist absolut Spitze – Weltklasse.
    Für den Atlantik wünsche ich euch viel Glück. Hier ist Wettertaktik, viel Gespür, aber auch viel Glück von Nöten. Aber wie wir euch in den letzten Wochen kennen und lieben gelernt haben, werdet ihr das meistern.

    Die Albatrosse werden euch schon den richtigen Weg weisen und euch in Richtung Äquator verabschieden.


Copyright © 2012 Boris Herrmann Racing. All rights reserved. Impressum