Je weiter entfernt ein Land ist, desto mehr vermag es unser Fernweh zu nähren und unsere Reisefantasie zu inspirieren. Alaska, Feuerland, Neuseeland … Ich wette, jeder träumt von einer Reise nach Neuseeland, diesem Inbegriff von Ferne und erstrebenswertem Ziel.
Mir geht es so: Je weiter ein Ziel entfernt ist, desto faszinierender finde ich es. Aber es gibt ja auch andere Ziele, die nicht geografisch festgelegt sind. Was ist das größte Ziel im Segelsport? Eine Olympia-Teilnahme, der America’s Cup – oder Nonstop um die Welt zu segeln?
Hier sind wir also, kurz vor Neuseeland in unserem Nonstop-Rennen um die Welt. Nonstop bedeutet, dass wir von der Welt im herkömmlichen Sinne fast nichts sehen. Weder Land noch Leute, Landschaften, Gerüche fremder Länder – all das bleibt unserer Fantasie überlassen zu ergründen.
Die Fantasie braucht Nahrung. Von Patagonien hab ich erst angefangen zu träumen, als ich Bruce Chatwin gelesen hatte; von Alaska, nach der Lektüre von Jack London; von der Weltregatta nach Derreck Lundys „Gnadenlose See“ und den typischen Klassikern der Segelliteratur.
Was unsere Weltregatta angeht, steht uns nun eine grosse Ausnahme bevor: Die Passage der Cookstrait. Hier werden wir endlich wieder Land sehen. Das erste Mal seit Gough Island, südwestlich vom Kap der Guten Hoffnung im Südatlantik. Das war vor über einem Monat, Mitte Januar.
Meine Fantasie zu Neuseeland nährt sich auch aus den Erinnerungen meines letzten Aufenthaltes dort, während des Etappenstopps meiner letzten Weltregatta, dem Portimao Global Ocean Race, gemeinsam mit dem Hamburger Felix Oehme auf “Beluga Racer”. Doch die Südinsel habe ich damals nicht bereist – und besonders die inspiriert nun meine Fantasie.
Während dieser ruhigen Nachtwache – Regen draußen, wir rauschen mit 14 Knoten am Wind auf Cape Farewell zu, dass wir in zwei Tagen erreichen – schüre ich das Kaminfeuer meiner Fantasie mit einem Schmöker in den Seekarten von Neuseeland.
Mit der Computermaus kann ich die gesamte Welt bereisen. Wir haben elektronische Detailseekarten von allen Seegebieten auf unserem Bordrechner. Mit dem Mausrad nach vorne zu scrollen zoomt rein, nach hinten zoomt raus – genau wie bei Google Maps. Ich stelle die Kartenansicht zunächst auf „Antimeridian“, was den 180ten Längengrad in die Mitte rückt und Europa ganz ans Ende der Welt. Ich sehe Ozeanien, Australien, die Antarktis und Neuseeland, unsere Schiffsposition in der Mitte. 1500 Km bis zum Eis, 1200 bis Sydney, 1000 bis Neuseeland, 5000 bis Tahiti. Wir steuern einen Ostnordost-Kurs und laufen ca. 30 Km/h. Das bringt uns bis Montagmorgen zu unserer nächsten Bahnmarke: Dem Eingang der Cook-Straße. Ich zoome auf die Gegend: Details Neuseelands kommen hervor, je weiter ich hineinzoome. Währe ich nicht vor 2 Jahren in ähnlicher Weise hier angekommen, würden mir die Seeekarten wahrscheinlich nicht viel sagen.
Boris und Felix Oehme 2007 beim Start zur dritten Etappe des Portimao Global Ocean Race
In meiner Erinnerung taucht Mount Cook aus den Wolken auf: Atemberaubend steil und schneebedeckt. Felix und ich sind damals mit Spinnaker nah an der Küste entlang nach Norden geschossen. Es wird in Landnähe deutlich wärmer, unglaubliche, endlose weisse Sandstrände kommen hervor, das Meer wird türkis, die Landschaft hinter den Stränden ist völlig leer: kein Haus, keine Strasse, kein Mensch. Für einen ganzen Tag sehen wir nichts und niemanden. Und dann verschlägt es uns den Atem. Die Sandzunge von Farewell Spit und die dahinterliegende Lagune „Golden Bay“ glitzern in der Abendsonne. Felix ist Kiter und kann sich von dem Anblick der riesigen, menschenleeren, von Seegang geschützten, aber windgepeitschten Lagune kaum losreißen. „Golden Bay“ ist ein geheimnisvoller Ort, gesperrtes Naturschutzgebiet, weit ab von allem in Neuseeland – quasi unbesucht, unbekannt, selbst die Einheimischen aus Wellington waren nie dort. Der Name rührt daher, dass hier Gold gefunden wurde. Wir fanden zumindest einen goldenen Sonnenuntergang.
Kommenden Montag, den 21.02. gegen 7 Uhr deutscher Zeit erwarten wir unsere Ankunft an diesem Kap, der Nordwest-Spitze von Neuseelands Südinsel. Ich zoome weiter in die Seekarte hinein und gehe in Gedanken am Strand spazieren, wo ein heftiger Wind langfegt.
Liebe Grüße,
euer Boris
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Zwischenstand beim Barcelona World Race am Freitag (20. Feb, 00.10 Uhr):
1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich)
2. Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 149 Seemeilen zurück
3. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 393
4. Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) 397
5. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 550
6. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 856
7. Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) 946
8. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 1.213
9. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Frankreich) 1.444
10. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 2.883
11. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 3.455
12. We are Water: Jaume Mumbrú (ESP) / Cali Sanmartí (beide Spanien) 3.846
Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch
Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch



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Ich freue mich schon auf spektakuläre Fotos und Filme aus der Cook Strasse. Schade, dass Ihr zur Feier des Tages nicht noch ein paar leckere Sachen in petto habt um etwas schönes zu “kochen” – Johannes hat da sicher noch den einen oder anderen Tip in Bezug auf Sterne Küche an Bord
Und die Strände überlasst Ihr dieses Jahr mal schön den “Kiwis” – Boris kann ja im nächsten Jahr wieder am Strand spazieren, wenn ein Stop beim Portimao Global Ocean Race 2012 ansteht.
Moin,
super Leistung.
Jetzt weiter durchhalten.
Ist es bei euch immer noch so kalt?
Gruß von der Nordsee
Have fun in my home city Boris. Wellington is awesome. NPP
Hallo Boris, hallo Bryan
Und es ist genau so, wie es in Eurem heutigen Report steht, mit dem Wunsch ferne Länder zu bereisen. Auch alle Details über Euer Leben an Bord verleitet mich immer wieder zum Träumen. Ich stehe schon mitten in der Nacht auf, um Eure Berichte zu lesen. Ein Bisschen ist es, als ob ich mit segeln könnte. Nur was mache ich, wenn Ihr Barcelona angekommen seid? Weiterhin viel, viel Glück und immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel. holo
Nach Neuseeland will ich auch mal. Hauptsaelich wegen den Herr der Ringe Filmen. Seitdem ich Jack London gelesen habe will ich in die Suedsee (schade eigentlich dass seine Suedseegeschichten nicht so bekannt sind). Ich hoffe ich bekomme mal genug Erfahrung, um selber von San Francsico (wo ich z.Z. lebe) in die Suedsee zu segeln und vieleicht weiter nach NZ. Traume…
Noch ist mir die SF Bay gross genug zum Segeln. Die Weltmeere besegele ich nur virtuell dank Boris & Co.
Hallo Boris, erst kürzlich habe in Phönix-TV die Übertragung vom Portimao Race mit Dir und Felix gesehen. War auch ein toller Beitrag. Und solch viel Spaß und Erfolg wünsche ich Euch auch. Ihr seid ein Klasse-Team. Viele Grüße aus
dem winterlichen Rhein-Main Delta von Hartmut
Hartmut
Hallo Boris und Ryan,
träumt noch ein bisschen weiter aber haltet dabei die Augen offen!! Ich kann mir vorstellen wie groß das Verlangen ist zu stoppen und ein bisschen zu regenerieren. Aber jetzt ist die Chance da weiter im Ranking nach vorne zu stossen. Zeigt weiter Euren tollen Kampfgeist.
Sehr interessant sind die Videos auch auf der offiziellen Website von BARCELONA WORD RACE. Es gibt einen guten Einblick auf die anderen Teams.
Weiter guten Wind und viel Glück
Hans aus Lauf an der Pegnitz
Ein grauer Sonntagmorgen in Berlin, die sonnigen Sandstrände Neuseelands direkt vor Euch und die Distanz zu Euren Verfolgern hat sich lt. tracker (UTC 3.30) weiter vergrößert, das hebt die Laune! Freue mich auch schon auf schöne Fotos & Videos in der Cookstrasse
Liebe Grüße,
Christiane
Moin Ihr beiden,
kommt bloß nich auf die Idee, Euch eine lauschige Ankerbucht zu suchen – wir wollen weiter Eure Aufholhetzjagd sehen. Eure Story ist Klasse und es wäre schön, wenn Ihr Euren Rhythmus noch ein paar Wochen beibehalten könntet.
VG aus Hude
Hi Jungs!
Sehr beeindruckend, was ihr in zur Zeit da macht. Endlich spielt auch der WInd mit, das ist der Glück des Tüchtigen, das habt Ihr Euch verdient!
Nach dem was man auf dem Tracker sieht, geht das so weiter und es pustet Euch auch schön durch die Cook-Straight, anders als alle anderen, die ja mit Flaute von vorne da durchgedümpelt sind!
Hoffentlich geht das nach Neuseeland so weiter, also spendet noch ein Opfer an Rasmus und ich drück die Daumen!
Viele Grüße
Stefan
Also da oben auf dem Bild sieht man doch deutlich welche Nation in der Bucht ankert! Da darf sich doch der Niederländer im Feld gerne dazu gesellen! Die werden für die Hugo Boss sicher noch Platz in der Bucht machen!
Gruß Heinz und Bolle Blaubart
Hi Leute,
Estrella ist gerade auf dem AIS tracker in der Cock strait aufgetaucht. Dort kann man jetzt live die aktuelle Position und Geschwindigkeit verfolgen. Bel habe ich leider nicht gefunden.
Viel spaß mit dem Link
http://www.marinetraffic.com/ais/shipdetails.aspx?mmsi=225015630&header=true
(einfach auf den link mit den Kartendaten klicken (map))
Viele Grüße
Rasmus
Hallo Boris, hello Ryan,
ihr seid ja wieder das schnellste Schiff in der Runde, nur noch 166 Sm zum Vordermann der mit 4,6 knoten vor sich hin schleicht.
Muss ein schönes Gefühl sein mit privatem Wind zu segeln.
Viele Grüße
Hallo Boris @Ryan,
möchte mich zunächst für Eure vielen Berichte und Videos bedanken. Super, so dabei sein zu können!
Estrella & Group müssen wohl eine Zwangspause einlegen, damit wäret Ihr auf Platz 4. Falls euer Kahn ohne Boxenstopp auskommt. Der Weg ist noch lang, ich kann mir vorstellen, dass vieles schon Spuren der harten Beanspruchung hat…
Also müßt ihr euch für oder gegen einen Stopp entscheiden.
Viel Glück dabei
Groupe Bel und Estrella Damm müssen BEIDE nach Auckland zu Reparaturen.
Jungs, die haben nur 260nm Vorsprung, müssen aber 48h drin bleiben, das schafft Ihr locker und das ist dann der vierte Platz!
Also immer gut drauf achten, dass alles heile bleibt…
Olé, olé, olé!!
Moin,
dank des Internets lässt sich dieses spannende Rennen auch auf Spiekeroog verfolgen! Die letzte Woche war atemberaubend – danke dafür und weiter so! LG von der Insel, Thilo
Ahoi……was wären wir Menschen ohne Träume….aus Träumen entstehen Ziele und oft daraus auch die Realität…..Kompliment….Ihr habt Mirabaud schon 110sm abgehängt…weiter so!
Bis Australien, Bondi Beach, haben wir es als Oldies unserer dort lebenden Tochter auch schon geschafft – Allerdings auf dem Luftweg von Berlin.
Neuseeland ist ein fernes Ziel. Bleibt dort bloß nicht hängen.
Hi Ihr Beiden, kann mir in etwa vorstellen wie strapaziös Euer Rennen ist, aber Ihr legt eine unglaubliche Performance hin. Hut ab! Seid schön vorsichtig und haltet durch. Ich bin immer dabei, wenn es die Zeit zulässt (hier ticken die Uhren anders)! LG Jörg