Mit brennenden Wunderkerzen überquerten Boris Herrmann und Ryan Breymaier am Freitagmorgen (25. März) mit ihrer Hochseeyacht „Neutrogena“ im Barcelona World Race zum zweiten Mal den Äquator. Beim Sprung zurück auf die Nordhalbkugel lag die deutsch-amerikanische Zweiermannschaft in der Nonstop-Regatta rund um die Welt auf Rang fünf nur 20 Seemeilen hinter der spanischen „Estrella Damm“. Bis ins Ziel nach Barcelona waren noch mehr als 3.000 Seemeilen zu segeln, was etwa zwei Wochen dauern dürfte. An der Spitze hatten sich die führende „Virbac-Paprec 3“ mit Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron aus Frankreich und die Verfolgerin „Mapfre“ von Iker Martínez und Xabi Fernández (Spanien) nacheinander in den so genannten Geistermodus verabschiedet, in dem sie 36 Stunden nicht auf den Positionsreports erscheinen. Sie werden ab 3. April im Hafen zurückerwartet.
32 Grad Celsius und stickige Luft unter Deck, in der gleißenden Sonne im Cockpit droht ein Hitzeschlag – unter diesen zermürbenden Bedingungen litten Herrmann und Breymaier in der zwölften Woche auf hoher See. „Die intertropische Konvergenzzone macht uns ganz schön zu schaffen“, schrieb der 29-jährige, geborene Oldenburger per Email von Bord. Umlaufende Winde zwangen die Crew zu zahllosen Segelwechseln, in drückender Hitze doppelt so anstrengend. Herrmann: „Auf der anderen Seite haben wir bisher auch Glück, denn wir sind nie in einer Flaute vollkommen stehen geblieben, sondern haben immer noch ein paar Knoten Fahrt gemacht.“
Und in der Nacht zu Freitag hatte die „Neutrogena“ nach fortgesetzten Verlusten gegen die direkten Gegner „Renault“ mit Pachi Rivero und Antonio Piris (beide ebenfalls Spanien), 140 Seemeilen voraus auf Rang drei, und Alex Pella/Pepe Ribes („Estrella Damm“) auch mal wieder das bessere Ende für sich. „Wir lagen auf der günstigen Seite eine Wolkenkette mit kräftigen Schauerböen und haben stundenlang Gas gegeben“, so Ryan Breymaier in einem kurzen Morgenbericht. „Als wir dann den Äquator wieder überquerten, gab es diesmal zwar keine große Party, weil wir beide sehr müde sind. Aber ein bisschen gefeiert haben wir trotzdem.“
Es muss Balsam auf den Seelen gewesen sein, denn im Südatlantik hatten die beiden nach und nach zu spüren bekommen, wie der geplatzte Hydraulikzylinder des Schwenkkiels das Geschwindigkeitspotential kappt. Herrmann: „Aus Sicherheitsgründen kippen wir den Kiel nicht mehr auf 40 Grad voll an, wenn das von den Windverhältnissen her eigentlich angezeigt wäre. Das kostet uns dann immer einige Zehntel oder sogar mehr Bootsspeed.“
Auf dem vorletzten Teilstück der mehr als 25.000 Seemeilen langen Regatta, das an den Kapverdischen und den Kanarischen Inseln vorbei nach Gibraltar führt, werden der Nordostpassat und überwiegend Am-Wind-Bedingungen erwartet. „Das ist eigentlich die Stärke unseres Boots“, sagt Boris Herrmann, „aber wir werden sie nicht voll ausspielen können.“ Die Entscheidung um den letzten Platz auf dem Podium dürfte aber eh erst Anfang April im Mittelmeer fallen. Denn die Straße von Gibraltar mit ihren starken Meeresströmungen und das Finale entlang der spanischen Küste bergen noch jede Menge Fallen und Überholspuren.
„Wir freuen uns inzwischen schon auf den ersten Landgang nach mehr als drei Monaten und sehnen das Ende der Torturen herbei“, beschrieb der erste deutsche Teilnehmer überhaupt an einem Rennen der 18,29 Meter langen IMOCA Open 60-Yachten die Stimmung an Bord. Am 85. Tag auf See war längst klar, dass die Reise deutlich länger dauern wird, als ursprünglich geplant. Denn mehrmals wurde die Route unterwegs durch Eiswarnungen im Südpolarmeer verlängert. Den 8. April haben Herrmann und Breymaier derzeit für ihre Zielankunft hochgerechnet. Genau bis dahin reichen auch noch ihre aufgesparten Essensrationen. Ansonsten käme am Ende auch noch quälender Hunger zu den Strapazen hinzu.
Die scheinen am Ende des Felds nicht enden zu wollen. Während die Spanier Juan Merediz und Fran Palacio die Hoffnung nicht aufgegeben haben, mit dem reparierten Mast ihrer „Central Lechera Asturiana“ das Rennen aus dem neuseeländischen Wellington wieder aufnehmen zu können, brach auf der „We are Water“ von Jaume Mumbrú und Cali Sanmartí (ebenfalls Spanien) in schwerem Sturm vor Kap Hoorn der Großbaum. Eine haushohe Welle zertrümmerte die Querstange, obwohl die Crew gar kein Großsegel gesetzt hatte. Der beginnende Herbst der südlichen Hemisphäre könnte für die Schlusslichter noch gefährlicher werden.
(Pressemitteilung Andreas Kling)
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Zwischenstand beim Barcelona World Race am Samstagvormittag (26. März):
Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) Position versteckt
1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich) 1.684 Meilen bis Barcelona
2. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 1.095 sm zurück
3. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 1.238
4. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1.256
5. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Spanien) 1.708
6. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 3.562
7. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 3.875
8. We are Water: Jaume Mumbrú / Cali Sanmartí (beide Spanien) 5.611
9. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 9.866
Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch
Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch
Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) aufgegeben mit Kielschaden
Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch


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jo boris, klasse was ihr da macht. es ist nicht mehr weit!!! bin jetzt ne woche im urlaub und bin gespannt, was mich danach auf dem race tracker erwarten wird… vielleicht geht alles ganz schnell- oder auch nicht. alles gute erstmal!dome
hey boris und ryan,
weiter so, immer dranbleiben, das ist echt spannend! …nur nicht stehenbeiben, dann seid ja auch ganz fix wieder raus aus der heissen zone…auf dass es im nordatlantik nicht zu kalt wird
weiter so !
servus, yo
Hej Boris and Ryan,
Thank you for the update and the video. Welcome in the north. You both are doing a great job. I think no one at home can really understand what it is like to be at this boat. I get the impression that you are done with the situation. However, look at what you’ve achieved. You’ve managed to do a full non stop race!! Not many can say so! You’ve fix all the technical problems to keep sailing and you still are in the position of beating one in front. And even when you don’t, the race is a huge success. We all here on land write to you to keep you motivated for the final stages of your race. Holding the pace up for so long in the conditions you face is a challenge for it self, but we all believe in you and we are sending little energy boxes to you by every single word we write. You’ll bring this bloody boat home whatever it takes. That’s for sure.
With the highest respect!
Sebastian
Moin Jungs,
ist immer noch faszinierend, was Ihr da macht.
Die Winvorhersage erscheint mir auch nicht so schlecht für Euch: bei der nächsten Positionbsmeldung solltet Ihr so um die 14 kn aus NE haben – wieder einbe Möglichkeit, der ESTRELLA ein paar Meter abzunehmen…
Bin mal gespannt, wann Ihr Eueren ersten Schlag richtung E machen werdet, denn ganz vorne tut sich ja wohl was in dieser Richtung. Aber vielleicht doch erst nach den Kapverden.
Ich freue mich schon auf die nächste Tracker-Meldung, bei uns um 1500 Uhr. Bis dahin wünsche ich Euch, daß Ihr Euch erholen könnt, Kraft tanken für die nächsten spannenden Stunden, und das Euer defekter Kiel so viel Höhe wie möglich zuläßt.
Attacke, wir leiden mit Euch!!
Gruß aus dem 12 Grad kühlen, windingen Vorfrühlings-Nürnberg
Hallo Boris, hallo Ryan,
kurz vor dem Ziel muss ich Euch einen herzlichen Gruß aus Österreich senden. Ihr macht einen wirklich phantastischen Job da draußen. Ich verfolge schon das gesamte Rennen und habe Dir, Boris, schon beim Portimao und beim Artemis fest die Daumen gedrückt. Da vergessen wir gerne die alte Rivalität zwischen Deutschland und Österreich
Ihr seid Mitte Juli wohl nicht mehr in Concarneau? Bei unsere Frankreichreise könnten wir einen Sprung vorbeischauen …
Alles Gute noch für die letzten 3000 Meilen, bittet haltet Eure Kiste zusammen. Harald
Hej Boris und Ryan,
wenn ihr weiter mit 10 Knoten Richtung Norden ballert wird’s eh bald wieder frischer.;-P
Mit geschätzten 50% aller eingestellten Videos auf der BWR-Homepage seid ihr schon längst der Publikumsliebling.
Entweder ihr habt nen guten Hacker engagiert oder ihr dreht einfach die besten Videos…
Uns gefällts für ein paar Minuten eurer Regatta mit dabei zu sein! Ihr macht das, wovon viele Träumen!
Genießt es und gebt ruhig weiter Gas! hehe
Servus,
bis bald,
Fränzi
Hallo Ihr Helden der See, ich bin schon ganz süchtig nach Euren updates und meine Freundin will ab und zu doch was anders machen ;o) Trotz gegenüber Euren mächtigen Erfahrungen eher ein sehr kleiner Segler, frage ich mich, warum Ihr den Kiel in Luv nicht “einfach” auf 40 Grad mit Tauen “hochheissen” könnt. Ist ja nur so ne Frage…. Also Mast und Schotbruch und viel Glück. Ciao, Rudi
Halt durch kleiner Boris!
Als erfahrener, auch Charterskipper, weißt du wie man Leichen nach Hause schippert, auch wenn dieses mal die Shorecrew nicht aus Müllers und Mittermanns besteht, sondern guten Willens ist und war und ihr bestes getan hat. Der Rest ist euch wirklich einfach passiert und ihr habt das, soweit man das beurteilen kann, unglaublich gut gemanaged. Ryan ist übrigens sehr schlank geworden und du hast mittlerweile eine äußerst unvorteilhafte Frisur, schön, daß ihr zu jeder Videokonferenz frisch geduscht erscheint.
Ich bin auch froh, wenn mein tamagochi endlich in BCR ankommt, 200sm hinter euch.
Wirklich ein intensives Rennen, auch für die Landleute.
Ich wünsch euch
Nur für den Fall, das irgendetwas mal nicht klappen sollte.
http://www.dailymotion.com/video/x2bce1_freundeskreis-halt-dich-an-deiner-l_music
Jungs ihr seid einfach unglaublich! Wenn man die Freunde auf der Estrella so hört kann man nur sagen – sooo sieht Angst aus….. Also legt mal den Kuschelteddy beiseite, trocknet euch die Klüsen und dann Schoten an und ab dafür! – And Ribes is also still concerned about the fact that Neutrogena have doggedly held pace with Estrella Damm:
“Twice we have put sixty miles on them and twice they have come back at us. They have an ability to sail a higher angle which we can’t seem to. We are starting to sail in a faster upwind mode and they sail slower but a higher angle. Their way to sail is different from ours, we can’t sail their way because we can’t make those angles with the same speed they are doing. If we cannot control them at their speed and angle then we are forced to do a different thing.” explained Ribes of their duel with fifth placed Neutrogena whoe were still less than 20 miles behind Estrella Damm this afternoon. – Da geht noch was! Wir blasen jetzt alle für euch mal das ballyhoo – go guys, go (fast and furious)!
Grüsse aus dem sonnigen Hamburg
Peter
Hallo Boris und Ryan,
ich freue mich das Ihr es bald geschafft habt und euch dann ausruhen könnt. Im Moment hoffe ich aber das Ihr alles versucht Estrella wieder einzuholen. Ich drücke alle Daumen und wünsche euch viel Wind.
Uli
Hey Männer,
nicht verzweifeln! Allerspätestens in der Meerenge von Gibraltar seid ihr mit eurem “Dreirad” wieder dran an den Jungs auf ihrem “Rennrad”. Es spricht sogar einiges dafür, dass die Estrella-Jungs tatsächlich noch vorher die Nerven verlieren und einen Fehler machen weil sie euch einfach nicht deutlich genug abschütteln können. Also – noch ist absolut garnichts verloren – nur die Nerven behalten! Ihr macht das schon! Gruss aus Hamburg, Peter
Heroes!
nicht müde werden, ihr habt den psychologischen Vorteil auf Eurer Seite. Estrella spürt Euren Atem im Nacken und kann Euch nicht abschütteln. Dazu noch Ryans entspanntes Siegerlächeln auf den Videos – mehr braucht man nicht, um nervös zu werden. Wie wär’s mit einer frechen Videobotschaft an Estrella? Ihr gebt ihnen ein paar Trimmtipps, wie sie höher an den WInd gehen können, erklärt wie ein Holepunkt funktioniert und kippt Euch ein Gläschen Hydrauliköl hinter die Binde.
Ihr macht das schon.
Gruß aus München, Ono
Mahlzeit, Jungs!
Beschissene Tütensuppe, gestreckt mit fliegendem Fisch und Seetang.
Wenigstens habt ihr eure Bikinifigur wieder, wenn ihr in Barcelona einlauft!
In Hamburg ist Frühling. Ich kipp´n kühlen Chardonnay auf euch!
Um mal wegzukommen von den Fussballzitaten ein treffender Spruch von Walter Röhrl:
“Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln – ein Auto braucht Liebe!”
Durchaus auch auf Boote zu übertragen.
Danke, daß Ihr uns so intensiv mitsegeln und mitzittern lasst – ich drücke jedenfalls alle Daumen. Morgens nach dem Aufwachen geht beim Kaffee gleich der erste Blick auf den Tracker – was sollen wir nur tun, wenn das Rennen beendet ist ? Aber da war doch noch was – segeln!
Viele Grüsse Andrea
P.S: Bronsky, Dir auch Dank für deine Kommentare, die es immer auf den Punkt bringen !