Barcelona World Race vor dem Finale: „Virbac-Paprec 3“ auf der Zielgeraden

Posted on 01.04.2011


BARCELONA. Das Barcelona World Race 2010-2011 geht in seine entscheidende Phase. Am frühen Freitagmorgen (1. April) passierten die Franzosen Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron mit ihrer Hochseesegelyacht „Virbac-Paprec 3“ als Erste wieder Gibraltar und nahmen Kurs auf den Start- und Zielhafen Barcelona. 270 Seemeilen Vorsprung vor den Spaniern Iker Martínez und Xabi Fernández auf der „Mapfre“ sollten zum Gesamtsieg reichen. Der Zieleinlauf wird für Sonntag (3. April) erwartet. Dagegen dürften Boris Herrmann und Ryan Breymaier auf der „Neutrogena“ für die mehr als 25.000 Seemeilen rund um die Welt gut eine Woche länger brauchen. Ihr sportliches Ziel Platz fünf scheint der deutsch-amerikanischen Crew aber nicht mehr zu nehmen zu sein.

Für den Titelverteidiger Jean-Pierre Dick, der die Premiere der Nonstop-Regatta für Zweimann-Crews auf IMOCA Open 60s (18,29 Meter lange Einrumpfboote) vor drei Jahren mit Damian Foxall gewann, wurde die Wiederauflage zum Triumphzug. Trotz eines ersten Reparaturstopps im brasilianischen Recife und eines zweiten mit zwei Tagen Zwangspause in Wellington/Neuseeland führte die „Virbac-Paprec 3“ das ursprünglich 14 Boote umfassende Feld an allen großen Kaps der Route an. Nach dem Ausscheiden der „Foncia“ (ebenfalls Frankreich) mit Mastbruch vor Kapstadt/Südafrika mussten Dick und Peyron nur noch die 49er-Olympiasieger 2004 aus Spanien fürchten, die zwar bisher ohne technischen Halt auskamen, aber die überlegenen Spitzenreiter letztlich nicht gefährden konnten.

Einen ungleichen Dreikampf um den dritten Podiumsplatz boten bislang die Verfolger. Seit dem Kielschaden (Hydraulikzylinder defekt) im Pazifik segelten Boris Herrmann und Ryan Breymaier mit angezogener Handbremse. Aus Sicherheitsgründen schwenken sie den Kiel nicht mehr voll auf 40 Grad aus der Schiffsmitte aus, was trimmtechnisch notwendig gewesen wäre. „Auch bei den tagelangen Am-Wind-Bedingungen im Nord-Atlantik kostete uns das ungefähr einen Knoten Bootsgeschwindigkeit“, erklärte der geborene Oldenburger.

Die drittplazierte „Renault“ mit Pachi Rivero und Antonio Piris, beim Training stets ein willkommener Gegner, konnte nicht mehr angegriffen werden. Stattdessen musste die „Neutrogena“-Mannschaft schon im Südatlantik quasi wehrlos Alex Pella und Pepe Ribes mit der „Estrella Damm“ vorbeiziehen lassen. Dennoch hielten Herrmann/Breymaier den Rückstand lange Zeit in Grenzen, da sie zwar langsamer, aber höher zum Wind, das heißt auf direkterem Kurs Richtung Ziel segelten. Erst als die „Estrella Damm“ es auf die Rückseite eines Hochdruckgebiets schaffte und mit Wind schräg von hinten Gas gab, baute sie den Vorsprung bis Freitagvormittag auf mehr als 90 Seemeilen aus.

„Nach mehreren Tagen haben wir erstmals wieder ein Manöver gefahren“, berichtete Herrmann, „wir haben gewendet und segeln jetzt mit leichtem nördlichen Wind einen direkten Kurs auf Gibraltar zu. Das tut gut, denn es geht in die richtige Richtung.“ Nächster Wegpunkt sind die Kanarischen Inseln. Noch waren es zwar mehr als 800 Seemeilen bis zur Einfahrt ins Mittelmeer, von wo es noch rund 500 bis ins Ziel sind. Aber das Ende ist allmählich abzusehen. Mit der Ankunft in der katalanischen Hafenstadt wird am 11./12. April gerechnet.

Das sind dann mehr als 100 Tage auf hoher See – geplant waren 91. Für 13 Wochen jedenfalls hatte das Duo Verpflegung mitgenommen. Doch die Route wurde zwischendurch von der Regattaleitung wegen Eiswarnungen im Südpolarmeer mehrfach verlängert, es zieht sich. Obwohl sich Herrmann und Breymaier frühzeitig einige Mahlzeiten vom Munde abgespart haben, gehen die Vorräte zur Neige. Am Vorabend genossen sie noch bei einem Picknick im Cockpit Ölsardinien aus der Dose zu Knäckebrot und selbstgezüchtete Sprossen. „Wir bringen auch ständig einen Angelhaken achteraus, aber bisher noch ohne Erfolg“, so der 29-jährige. „Wir sind schon ziemlich ausgemergelt.“

Neben der „Mapfre“ und der „Renault“ sowie der einzigen Frauencrew Dee Caffari und Anna Corbella (Großbritannien/Spanien), die mehr als 500 Seemeilen zurück Sechste sind, ist nur das „Neutrogena“-Team ohne Landaufenthalt ausgekommen. Dagegen konnten die beiden letzten Boote nachbunkern, haben aber noch eine lange Reise vor sich. Nach ihrem Großbaumbruch verließ die „We are Water“ (Jaume Mumbrú/Cali Sanmartí) am Freitagfrüh Ushuaia in Chile und hat noch fast 7.000 Seemeilen vor sich. Nach wochenlangem Stopp für eine Mastreparatur in Wellington ist auch Schlusslicht „Central Lechera Asturiana“ mit Juan Merediz/Fran Palacio (alle Spanien) wieder unterwegs. Mehr als 11.000 Seemeilen sind es noch bis Barcelona. Zur Siegerehrung am 4. Mai schaffen sie es sicher nicht. Persönlich gewinnen werden sie trotzdem, wenn sie die Ziellinie erreichen.
(Ende)

Weitere Informationen und während des Rennens aktuelle Positionsmeldungen:
www.barcelonaworldrace.org
www.borisherrmannracing.com
www.breymaiersailing.com

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Zwischenstand beim Barcelona World Race am Freitagvormittag (1. April):

1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich) noch 468,6 Seemeilen
2. Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 270,2 sm zurück
3. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 1.031,8
4. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 1.265,7
5. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1.357,4
6. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Spanien) 1.924,9
7. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 3.198,9
8. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 3.780,9
9. We are Water: Jaume Mumbrú / Cali Sanmartí (beide Spanien) 6.367,3
10. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 10.702,4
Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch
Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch
Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) aufgegeben mit Kielschaden
Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch

Der Zwischenstand der Regatta mit den genauen Positionen der Teilnehmer ist mit Hilfe eines Fleettrackers im Internet unter www.barcelonaworldrace.com oder www.borisherrmannracing.com zu verfolgen. Viermal pro Tag werden die Positionsmeldungen über Satellit aktualisiert, und jeweils gegen 5, 10, 15 und 20 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Täglich gibt es per Email einen aktuellen Bericht von Bord, mindestens einmal wöchentlich Fotos und ein Video von Boris Herrmann und Ryan Breymaier unterwegs.

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