Flautenfrust in der Straße von Gibraltar – „Neutrogena“ trotzdem als 5. im Atlantik

Posted on 05.01.2011


BARCELONA. Dass eine Flaute viel zermürbender sein kann als ein Sturm, wissen Profisegler nur zu gut. Doch was Boris Herrmann und Ryan Breymaier am vierten Tag des Barcelona World Race erlebten, zerrte schon ziemlich an den Nerven der Mannschaft. 24 Stunden machte der einzige deutsche Teilnehmer an der Nonstop-Regatta rund um die Welt mit seinem Co-Skipper aus den USA in der Straße von Gibraltar keinen Meter Boden gut. Dennoch passierten sie mit ihren Yacht „Neutrogena“ die imaginäre Grenze zum Atlantik auf 5 Grad, 37 Minuten westlicher Länge als fünftes von 14 Schiffen. Am Mittwochmorgen (5. Januar) führte die „Virbac-Paprec 3“ von Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron aus Frankreich gut 165 Seemeilen voraus.

„Das war das Schlimmste, was wir je erlebt haben“ berichtete Boris Herrmann von Bord, „es war einfach zu wenig Wind, um gegen die starke Strömung gegenan zu kommen. Absolut frustrierend, ja auch enttäuschend.“ Nachdem das Duo am Dienstagabend schon ganz dicht am Übergang zum Atlantischen Ozean dran schien, packte die Horrorflaute gnadenlos zu. „Wir haben es zunächst im Norden an der spanischen Küste vergeblich versucht“, so Herrmann weiter, „und sind dann schräg zurück gesegelt, um im Süden auf der afrikanischen Seite einen neuen Anlauf zu nehmen.“ Der Kurs der „Neutrogena“ auf dem Fleettracker, der die Wegstrecken den Yachten aufzeichnet und im Internet unter anderem unter www.barcelonaworldrace.org und www.borisherrmannracing.com widergegeben wird, sieht wie ein Zickzackmuster einer Küstenwettfahrt um verstreute Bojen herum aus.

Dabei hatte die deutsch-amerikanische Crew, die als Außenseiterin im internationalen Klasse-Feld gilt, seit Neujahr für Furore gesorgt. Nach durchwachsenem Starttag Silvester überholte die „Neutrogena“ aus dem hinteren Mittelfeld Boot um Boot und lag zwischenzeitig sogar auf Rang drei. „Wir hatten die Schweizer ‚Mirabaud‘, die von hinten aufgekommen war, in Sichtweite, als diese mit einem etwas anderen Kurs als wir steuerten einer Privatböe davon zog“, erzählte der 29-Jährige, der in Hamburg und München zuhause ist, „es fehlte uns eine halbe Stunde, dann hätten wir den Zug nicht verpasst.“

Ein schwacher Trost: Anderen ging es nicht viel besser. Auch die Frauen von der „GAES“, Dee Caffari und Anna Corbella (Großbritannien/Spanien) standen unweit der „Neutrogena“ stundenlang auf der Stelle und lagen am Mittwochmorgen ein paar Seemeilen zurück auf Platz sechs. Weiter hinten im Feld, das sich inzwischen auf fast 300 Seemeilen auseinander gezogen hat, war der Flautenfrust enorm. Mit Galgenhumor meldeten Andy Meiklejohn aus Neuseeland und der Holländer Wouter Verbraak, der vorrübergehend als Ersatzmann für Skipper Alex Thomson auf der Mitfavoritin „Hugo Boss“ eingesprungen war: „Alles okay an Bord, wir bewegen uns wieder vorwärts.“ Sie behielten weiter die rote Laterne.

Unabhängig von dem „schwarzen Dienstag“ hatten die Boris Herrmann und Ryan Breymaier für ihre Leistung bis dahin schon Lob und Respekt der Expertenwelt verdient. Der geborene Oldenburger wollte von Vorschusslorbeeren jedoch nichts wissen: „Es ist noch viel zu früh im Rennen, um aus den aktuellen Platzierungen große Rückschlüsse ziehen zu können. Aber es ist natürlich angenehmer, zu Beginn vorne mitzufahren, als gleich hinten dran zu hängen.“

Bis zu den Kanarischen Inseln soll die Wetterlage noch schwierig bleiben. Stete Passatwinde sind bis auf weiteres nicht in Sicht. Das eröffnet sowohl taktische Möglichkeiten, viel aufzuholen, birgt aber genauso viele Fallen. „Immerhin scheint die Wetterentwicklung jetzt besser absehbar“, meinte Peyron, „während im Mittelmeer meist immer das passierte, wonach es zuvor gar nicht aussah.“
(Ende)

Weitere Informationen und während des Rennens aktuelle Positionsmeldungen:
www.barcelonaworldrace.org
www.borisherrmannracing.com
www.breymaiersailing.com

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