Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron gewinnen das Barcelona World Race

Posted on 05.04.2011


BARCELONA. Um 12.20 Uhr und 36 Sekunden Montagmittag (4. April) waren sie am Ziel ihrer Träume: Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron gewannen mit ihrer Hochseeyacht „Virbac-Paprec 3“ das Barcelona World Race 2010-2011, eine der härtesten Segelregatten nonstop rund um die Welt. Die Franzosen benötigten für die 25.200 Seemeilen (rund 46.500 Kilometer) fast 94 Tage und wurden ihrer Favoritenrolle gerecht. Die zweitplatzierten Spanier Iker Martínez und Xabi Fernández werden mit der „Mapfre“ am Dienstag in Barcelona zurückerwartet. Für den Deutschen Boris Herrmann und Ryan Breymaier aus den USA brach auf der „Neutrogena“ die letzte Woche auf hoher See an. Sie liegen ungefährdet auf dem fünften Rang.

Arm in Arm im Schulterschluss standen sie auf dem Bug ihrer blauen IMOCA Open 60, der erfolgreiche Titelverteidiger Dick (45), der 2008 die Premiere des Barcelona World Race mit dem Iren Damian Foxall gewonnen hatte, und sein renommierter Co-Skipper Peyron (51), der vor zehn und 20 Jahren jeweils zweite Plätze bei Weltregatten verbuchte. Mehr als drei Monate war die 18,29 Meter lange Yacht nach dem Start an Silvester ihr Zuhause. Laute Schiffshörner begrüßten die Weltumsegler am Ende ihrer (Tor-)Tour durch schwere Stürme und quälende Flauten wie auch die letzten Stunden vor der katalanischen Hafenstadt. Rund um den Globus hatten die Franzosen fast das gesamte Rennen in Führung gelegen, schon am 3. Januar aus der Straße von Gibraltar heraus und seit dem 23. Januar im Südatlantik. Auch zwei Reparaturstopps in Brasilien zu Beginn und in Neuseeland zur Halbzeit, die insgesamt 63 Stunden kosteten, gefährdeten den Siegeszug nicht.

Einzig die Trophäe für das Teilstück von der Cook-Straße zum Kap Hoorn gewannen Dick/Peyron nicht, weil sie wegen der Reparatur der Großsegelführungen am Mast mit einer 48-stündigen Zwangspause in der neuseeländischen Hauptstadt belegt wurden. Dadurch waren auch Herrmann/Breymaier mit der „Neutrogena“ schneller, die bisher ganz ohne Notstop auskamen. Dennoch verließen die Franzosen Wellington in Führung liegend. Sie betrug am 7. Februar maximal 781 Seemeilen und schmolz im Pazifik am 25. Februar einmal auf 8,3 Seemeilen, ehe ein taktischer Schachzug den Vorsprung wieder anwachsen ließ.

11,18 Knoten im Durchschnitt schaffte die „Virbac-Paprec 3“, fast 20 Kilometer pro Stunde über Grund. Durch Kreuzstrecken wurden fast 4.000 Seemeilen zusätzlich gesegelt, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,9 Knoten durchs Wasser bedeutete. Am 22. Januar stellte das Duo zudem einen neuen 24-Stunden-Weltrekord für Open-60-Boote auf. Sie durchbrachen mit 506,33 Seemeilen erstmals die Schallmauer 500 und segelten 21,1 Knoten (fast 40 km/h) im Schnitt.

„Dieser Sieg basiert auf einem Mosaik von vielen Kleinigkeiten“, sagte Jean-Pierre Dick direkt nach dem Zieleinlauf, „aber die Abstimmung untereinander, das gegenseitige Vertrauen und die Harmonie in der Crew waren wichtige Bausteine.“ Am meisten habe ihn die Passage des berüchtigten Kap Hoorn beeindruckt. „Noch nie war ich so dicht an dem magischen Felsen dran. Patagonien ist ein unvergleichliche Landschaft.“ Loïck Peyron stellte die Teamarbeit auch der gesamten Landmannschaft heraus und erinnerte sich vor allem an die majestätischen Albatrosse im Südpolarmeer gerne.

Mit einer Champagnerdusche und einem Großaufgebot an Freunden, Verwandten, Helfern und Fans sowie zahlreichen internationalen Medienvertretern wurden die Gesamtsieger in Barcelona gefeiert. „Die beiden haben verdient gewonnen, waren sehr souverän und einfach haushoch überlegen“, schlossen sich Boris Herrmann und Ryan Breymaier der Schar der Gratulanten an. Am Wochenende hatte auch die „Neutrogena“ ein ordentliches Stück in Richtung Barcelona zurückgelegt, wobei die drittplazierte „Renault“ mit Pachi Rivero und Antonio Piris sowie Alex Pella und Pepe Ribes (4.) mit der „Estrella Damm“ (alle Spanien) dennoch weiter davonzogen. Der errechnete Zieleinlauf könnte je nach Wetterentwicklung nun schon am Sonntag, dem 10. April stattfinden. Bis Gibraltar, das am Donnerstag erreicht werden könnte, waren es nur noch gut 500 Seemeilen.

Doch der zähe Kampf von Boris Herrmann und Ryan Breymaier, wirklich nonstop um die Welt zu kommen, verläuft auch gegen Ende nicht ohne Hindernisse. Zum Wochenende war die Hydraulik ihrer Selbststeueranlage kaputt gegangen. Während der Amerikaner zwölf Stunden von Hand steuern musste, zerlegte der geborene Oldenburger das komplette System und suchte den Fehler. „Ein Chip und der Motor des schnellen Autopiloten sind verschmort. Beide Motoren und die Pumpe hatte ich auseinander genommen, vorher das Öl abgepumpt. Jetzt laufen wir auch hier auf Reserve, nämlich mit den letzten Ersatzteilen“, erklärte Herrmann, „hoffentlich hält nun alles durch.“

Juan Merediz und Fran Palacio aus Spanien meldeten am frühen Montagmorgen einen schweren Schaden am Rumpf ihrer „Central Lechera Asturiana“ mit der sie wochenlang in Wellington zur Mastreparatur gelegen hatten. Das dürfte nun das endgültige Aus für das Schlusslicht bedeuten, das den 1000 Seemeilen entfernten Hafen von Auckland in Neuseeland anlaufen will. Damit hätte mehr als ein Drittel der 14 gestarteten Schiffe aufgegeben, drei Mastbrüche und ein Kielschaden waren bisher die Gründe. Durchkommen ist die erste Grundvoraussetzung für einen Erfolg beim Barcelona World Race.

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Zwischenstand beim Barcelona World Race am Montagmittag (4. April):

1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich) 93 Tage, 22 Stunden, 20 Minuten und 36 Sekunden
2. Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 186,9 sm zurück
3. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 595,9
4. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 824,9
5. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1.213,5
6. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Spanien) 1.891,6
7. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 2.964,6
8. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 3.833,1
9. We are Water: Jaume Mumbrú / Cali Sanmartí (beide Spanien) 6.243,4
10. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 10.475,8
Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch
Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch
Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) aufgegeben mit Kielschaden
Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch

Der Zwischenstand der Regatta mit den genauen Positionen der Teilnehmer ist mit Hilfe eines Fleettrackers im Internet unter www.barcelonaworldrace.com oder www.borisherrmannracing.com zu verfolgen. Viermal pro Tag werden die Positionsmeldungen über Satellit aktualisiert, und jeweils gegen 5, 10, 15 und 20 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Täglich gibt es per Email einen aktuellen Bericht von Bord, mindestens einmal wöchentlich Fotos und ein Video von Boris Herrmann und Ryan Breymaier unterwegs.

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