Sieg als First Ship Home der Atlantic Anniversary Regatta AAR für die Hochseesegelyacht „Malizia Yacht Club de Monaco“: Skipper Boris Herrmann aus Hamburg segelte am frühen Mittwochmorgen (18. Juli) mit seiner Crew als Erster über die Ziellinie vor Cuxhaven. Um 5.54 Uhr und 16 Sekunden blieb die Uhr nach nur neuneinhalb Tagen und 3.500 Seemeilen (rund 6.600 Kilometer) stehen. Knapp geschlagen folgte die Hamburger „Varuna“ von und mit Jens Kellinghusen nach einem übers gesamte Rennen dramatischen Zweikampf nur 54 Minuten und eine Sekunde später. Im Anschluss zogen die Teams weiter in den Sandtorhafen von Hamburg, wo bis 29. Juli der 150. Geburtstag des Norddeutschen Regatta Vereins gefeiert wird.

Die letzten AAR-Seemeilen der “Malizia Yacht Club de Monaco” – Foto: Andreas Lindlahr

 Die Gewitterwolken hatten sich im Morgengrauen gerade über der Nordsee verzogen, da tauchte die silbergraue Hightechyacht mit ihren feuerroten Tragflächen (Foils) am Horizont auf. Gut 20 Knoten, fast 40 km/h zeigte der Tacho auf den Begleitbooten, die ordentlich Gas geben mussten, um mit dem modernen IMOCA Open 60 Schritt zu halten. In einer frischen westlichen Bö zog die „Malizia“ unter dem Stander des Yacht Club de Monaco die Unterkante ihres weißen Gennakers noch einmal durch die Schaumkronen, als wolle sie dem Regattarevier Good Bye sagen. Nach neun Tagen, zwölf Stunden, 14 Minuten und 16 Sekunden war eine der schnellsten Atlantikregattaüberquerungen überhaupt beendet.

Hochachtung auf See vor der “Varuna”-Crew – Foto: Andreas Lindlahr

Als wenig später auch die „Varuna“ das Ziel erreichte, zollten sich beide Mannschaften noch auf dem Wasser höchsten Respekt. „Das war ein Duell auf Messers Schneide“, so Boris Herrmann, „bis kurz vor Schluss waren wir uns nicht sicher, ob der Vorsprung reichen würde.“ Der „Varuna“-Eigner lieferte seine Erklärung: „Uns ist am vorletzten Tag das Spinnakerfall gebrochen. Das hat uns die entscheidenden Seemeilen gekostet.“ Kellinghusen dürfte es verschmerzen, hat er doch mit dem etwas kleineren Schiff nach berechneter Zeit durch Handikapfaktor den Bug in der Gesamtwertung vorne.

„Wir sind hochzufrieden mit dem Ausgang, denn über weite Strecken mussten wir mit achterlichen oder raumen Winden schräg von hinten vorlieb nehmen“, berichtete Herrmann weiter. Immer wenn genug Halbwind von der Seite wehte, wurde die „Malizia Yacht Club de Monaco“ auf ihren Foils angehoben und war nicht mehr zu halten. 34 Knoten über Grund war die absolute Höchstgeschwindigkeit – rund 70 km/h! „Dreimal hat es uns platt auf die Seite gedrückt, nachdem das Boot in Böen aus dem Ruder gelaufen war“, erzählte Crewmitglied Claus Löwe, „und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir wieder aufrecht segelten.“ Die Schrecksekunden überstanden Mensch und Material ohne Blessuren, ein Beleg für die Robustheit der „Malizia Yacht Club de Monaco“, mit der Boris Herrmann 2020 als Erster Deutscher mit der Unterstützung von Teampartner BMW an der berühmten Vendée Globe solo nonstop um die Welt teilnehmen will.

AAR-Schlussspurt der “Malizia Yacht Club de Monaco” – Foto: Andreas Lindlahr

Vater Moritz Herrmann war mitten in der Nacht aufgestanden, um beim Zieleinlauf seines 37-jährigen Sohns erneut hautnah dabei zu sein. Als stiller Genießer staunte der Papa nicht schlecht, als die „Malizia“ die letzten Meter mit 45 Grad Krängung zurücklegte. Eine feste Umarmung nach der ungezählten Ozeanüberquerung und „ein so großer Stolz, dass ich den kaum noch selbst tragen kann“, strahlte Fahrtensegler Herrmann über den weiteren Meilenstein seines Schützlings.

Boris und sein Vater Moritz Herrmann. Foto: Andreas Lindlahr

Der Bremer Christoph Enge beschrieb ein einzigartiges Wettkampferlebnis, obwohl einem „im Nebel vor Neufundland schon mulmig“ werden konnte. „Wir hatten eine Sichtweite von nur einer Bootslänge. Das war wie ein Blindflug manchmal.“ Alle lagen sich in den Armen, als sie die Kugelbake bei der Alten Liebe vor Cuxhaven passierten hatten. Tim Müller entzündete eine rotglühende Seenotfackel, und Christopher Löwe kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: „Ein harter wie traumhafter Ritt, von dem ich keinen Meter vergessen werde.“

Nach dem Zieldurchgang stieg Boris Herrmann auf den Seenotrettungskreuzer „Anneliese Kramer“ um, der in Cuxhaven über die Sicherheit auf der Nordsee wacht. „Die Arbeit der DGzRS ist für uns Hochseesegler von unermesslich wichtiger Bedeutung“, dankte der geborene Oldenburger der Besatzung stellvertretend für ihren Einsatz rund um die Uhr und rief damit seine Fans zu Spenden zugunsten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger auf.

Boris Herrmann dankt der Besatzung des Seenotrettungskreuzers Anneliese Kramer – Foto Andreas Lindlahr

Wie nah Erfolg und Malheur auf hoher See beieinander liegen, spürten auch zwei prominente Teilnehmer der AAR. Die Hamburger Class 40 „RED“ von Matthias Müller von Blumencron meldete die Kollision „vermutlich mit einem Wal“ und lief zur Reparatur eines Heckschadens die Azoren an. Der Maxiracer „Rambler 88“ von George David aus den USA war bereits nach zwei Tagen wegen eines Ruderbruchs ausgeschieden, nachdem die Yacht mit einem unbekannten Objekt unter Wasser kollidiert war. Damit waren am Mittwochmittag nur noch 13 Yachten im Rennen.

Am Donnerstag, dem 19. Juli, öffnet im Sandtorhafen das Race Village (Regattadorf) der AAR. In unmittelbarer Nähe zur Elbphilharmonie wird sich auch das Team Malizia vom Yacht Club de Monaco mit Herrmanns Segelfreund Pierre Casiraghi als Vizepräsident erstmals den einheimischen Segelinteressierten präsentieren. Mit Hilfe der Antriebstechnologie des Münchener Automobilkonzerns BMW zur Stromerzeugung an Bord soll die Welt zudem vollkommen emissionsfrei umrundet werden. Die Bedeutung der Sauberkeit der Meere für den Klimawandel wird das Team Malizia mittels des eigenen Projekts Ocean Challenge auch in Hamburg vorstellen.

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