Der erste wirklich typische Tag im Southern Ocean. Wind heult im Mast, die See ist grau, lange Dünung lässt uns atemberaubende Minuten lang surfen, mit Geschwindigkeiten bis zu 30 Knoten. Unter Deck wird man hin und her geschleudert. Die Geräuschkulisse ist furchteinflößend. Albatrosse gleiten um uns herum. Ein fahles Licht liegt auf allem. Eisberge sind ganz in der Nähe vermeldet und so sieht die sturmzerzauste, nebelige See auch aus: Als würde gleich ein riesiger Eisberg auftauchen.

Wir können “Mirabaud” sehen – das schweizer Schiff, unseren direkten Konkurrenten. Wir sind offenbar schneller. Pushen wir zu hart? Alle Nervenzellen 
im Körper sind nervös, genervt. Angestrengt kneifen wir die Gesichter zusammen, wenn das Schiff in ein Wellental hinab rauscht, dabei wie eine
 kleine Motoryacht den halben Rumpf aus dem Wasser reisst, um dann krachend wieder aufzusetzen.

Müdigkeit steckt uns in den Knochen – wegen der vergangenen Tage und der Dramen, die wir durchgemacht haben. Ich zoome aus der Karte heraus und
betrachte die Erde. Was für ein langer Weg, der noch vor uns liegt. Über 5000 Seemeilen allein bis Neuseeland, der Halbzeitmarke. Ich brauche dringend Schlaf, werde mich etwas ausruhen. Wir sind momentan eh tatenlos unter Deck eingepfercht.

Liebe Grüße
Boris

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Soweit die heutigen News von Bord. Auf Passageweather ist zu sehen, dass es bei Ihnen an Bord gerade ganz gut zur Sache geht. 35 Knoten Wind sind dort für das Seegebiet angesagt, das sind acht Windstärken. Oceanweather gibt Wellenhöhen von 6-7 Metern an. Es kracht und rummst an Bord also gewaltig. – Aber die Wetterkarten wären gar nicht nötig gewesen. Ich kann mittlerweile ganz gut an Boris’ Texten erkennen, wie das Wetter an Bord ist: Liegt die See ruhig, sind die Wellen glatt und der Wind flau, dann schickt Boris perfekt getippte Berichte, die ich direkt eins zu eins ins Internet kopieren kann. Ist das Wetter allerdings so rau wie heute, hüpft und bockt das Schiff über die Wellen – dann wird es für Boris schwierig, mit der kleinen Tastatur auf den Knien die richtigen Tasten zu treffen – und die Texte sehen aus, wie auf diesem Screenshot ;-)

Johannes

Heute früh war “Neutrogena” schon wieder auf drei Meilen an “Mirabaud” heran. Doch dann schien es, als hätten die Schweizer den Nachbrenner gezündet, der ihren Open 60 mit 22,4 Knoten als schnellsten Schiff des Feldes nach Osten katapultierte.  Im Laufe des Nachmittages konnten die Schweizer so den Abstand wieder auf 30 Meilen ausbauen. Ein harter Kampf.

Zwischendurch sorgt der Ozean doch immer wieder für Ablenkung: Ein Orca-Wal besuchte die “Neutrogena”.

Boris war kürzlich in einigen Medien zu sehen. Am Sonntag erschien ein an Bord geschriebener, großer Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, abends war Boris dann im NDR Sportclub zu sehen und Montag erschien ein neuer Beitrag von YACHT-tv zum Barcelona World Race und dem Knockdown der “Neutrogena”.

Termin für Heute: Um 11.35 Uhr sind Boris und Ryan wieder in der Videokonferenz zu sehen.

Auch von Bord erreichte uns ein neues Video: Boris kocht darin Pasta und Ryan erklärt den Aufbau ihrer kleinen Pantry. Viel Spaß beim Gucken!


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Zwischenstand beim Barcelona World Race am Dienstag (8. Feb, 0.10 Uhr):

1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich)
2. Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 782 Seemeilen zurück
3. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 802
4. Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) 910
5. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 1.176
6. Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) 1.634
7. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1.665
8. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Frankreich) 2.305
9. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 2.393
10. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 3.189
11. We are Water: Jaume Mumbrú (ESP) / Cali Sanmartí (beide Spanien) 3.371
12. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 3.583
Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch
Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch

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