Heute mal ein lustiger Text von Ryan. Man merkt, dass die beiden trotz der Strapazen doch eine Menge Spaß dort draußen haben:

“Ich habe schon einige Male erwähnt, dass unsere Gesprächsthemen oft ziemlich bekloppt sind. Ich könnte viele Beispiele anführen, aber ein Thema kommt immer wieder hoch und ist ziemlich verrückt:

Wie ihr wisst gehört so ein IMOCA Open60 nicht gerade zu den luxuriösesten Schiffen der Welt und gerade jetzt, in der Kälte und Nässe des Southern Oceans kommen die primitiven Verhältnisse hier so richtig zum tragen. Während der Nacht beschlägt alles in der Kajüte, sie wird zur Tropfsteinhöhle. Wenn wir die Tür im Niedergang offen lassen, verstärkt sich dieser Effekt sogar. Zusätzlich ist es dann auch noch eisig kalt hier drinnen. Es lässt sich also nichts ändern: Wir wachen jeden Morgen mit nassen Klamotten auf.

Wir haben keine Heizung im Boot, weil wir uns so als harte Jungs fühlten – außerdem wollten wir nicht den zusätzlichen Diesel mitschleppen, um die Heizung zu betreiben. Dazu kämen das Gewicht des Brenners, undundund. Wir haben das Thema vor der Abreise mit Bilou diskutiert und er war der Meinung, dass wir gut ohne auskommen würden. Er hatte schließlich auch nie eine auf seinen Regatten um die Welt dabei – und das hat ihm nie was ausgemacht.

Allerdings gibt es zwischen seinen Reisen und unserer zwei große Unterschiede, wie wir leider erst jetzt festgestellt haben: Ich bin der Meinung, dass in den höheren Breiten die Luft trockener ist. Weil die Gaten nun jedoch wegen der Eisgefahr verlegt worden sind, segeln wir sehr viel nördlicher als Bilou seinerzeit. Wir befinden uns in einer gemäßigten Zone mit Druckeinfluss durch subtropische, feuchte Luftmassen.

Zweitens hatte Bilou keine Hydrogeneratoren an Bord und musste deshalb zweimal am Tag die Maschine anwerfen, um die Batterien zu laden. Die Abwärme des Motors half ordentlich dabei, das Schiff durchzutrocknen. Uns fehlt die Heizung nun.

Wir segeln einen IMOCA, sind Schüler der französischen Kultur und haben festgestellt, dass es nur eine vernünftige Lösung für unsere Komfortprobleme an Bord gibt. Dabei müsst ihr uns helfen. Bitte nutzt die Kommentar-Funktion unter diesem Post. Hier ist unsere Frage:

Woher bekommen wir einen klitzekleinen Atomreaktor? Wer stellt sowas her? Wir brauchen einen, der in einen Raum von einem Kubikmeter passt und möglichst leicht gebaut ist.

Wenn wir solch ein Teil hätten, wäre die Kajüte ständig warm und trocken. Die Abwärme sollte eigentlich mehr als ausreichen. Dann hätten wir auch unbegrenzte Energie für das Schwenken des Kiels. Elektrisch, statt hydraulisch. Die Dinger ziehen dann zwar viel Strom, aber das wäre ja kein Problem mehr.

Heißes Wasser für unsere gefriergetrocknete Nahrung, Tee- oder Kaffeewasser? Einfach den Kühlwasserhahn aufdrehen und zapfen. Keine Wartezeit mehr, bis das Wasser im Kessel kocht.

Es gibt noch zwei weitere Sachen, die wir dann gern mit dem Reaktor versorgen würden: Die Wellen hier unten, genau zwischen zwei Wettersystemen, sind ja sehr oft sehr unangenehm. Vielleicht könnte man ein Gerät installieren, das eine Art Strahl aussendet – ob akustisch, Laser oder sonstwas. Die Strahlen würden die höchsten Wellen plätten, sodass wir entweder auf einer hohen Welle durchsurfen könnten – oder sogar auf platter See. Ein praktischer Nebeneffekt wäre, solang es sich um akustische Wellen handelt, dass die Wale und anderes Meeresgetier uns rechtzeitig hören würden, gewarnt wären und keine Gefahr mehr der Kollision bestünde.

Zweite Sache, die vom Reaktor betrieben werden könnte und uns einen unheimlichen Komfortgewinn brächte, wäre ein handelsüblicher Dönerspieß samt Heißstangen. Montiert man ihn ganz nah am Reaktor, könnte man auf letztere vielleicht sogar verzichten und die Abwärme nutzen. Den Platz hätten wir, direkt über dem Kiel. Dort würde ein gigantisch dicker Fleischklumpen drauf passen, der für zwei
Personen und 90 Tage vollkommen ausreicht. Zumindest, wenn wir uns auf einen Döner pro Tag beschränken. Das tropfende Fett würde zusätzlich die Kielmechanik schmieren.

Boris schlug auch noch eine Pizzaofen für mich vor, doch das würde alles zu schwer werden. Allein schon die Ziegel wiegen ja schon eine Menge …

Ich höre schon zwei Kommentare: Warum betreibt ihr nicht auch die Winschen an Deck elektrisch – und was macht ihr mit dem Müll?

Das hier ist immer noch ein Hochseerennen und ich bin gegen elektrische Winschen. Ich denke, wir sollte weiterhin ein wenig Bewegung haben, wenn wir an Deck die Segel trimmen.

Was die abgebrannten Uranstäbe angeht: Wir stellen uns einen hohlen Kiel vor, in den wir die Stäbe nach Gebrauch einfach reinfallen lassen. Wenn wir dann zurück nach Barcelona kommen, müssen wir den Kiel nur noch halb so hoch liften, um das gleiche aufrichtende Moment zu bekommen.

Wir könnten zwar in ein paar Tagen einen kleinen Zwischenstopp in Wellington einlegen und das Schiff dort dementsprechend umrüsten – aber dann würden wir eine Zeitstrafe von 48 Stunden bekommen. Das ist es nicht wert. Also wird es wohl noch ein Weilchen dauern, bis wir wieder trockene Klamotten haben.

Ryan

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Verrückt, auf welche Ideen man mit der Zeit auf See kommt. Als ich (Johannes) 2007 mit einem Freund auf dessen 8-Meter-Boot von England nach Holland gesegelt bin, kamen wir auf ähnliche Ideen. Wir wollten keinen Reaktor, sondern ein Pony an Bord haben. Es erschien durchaus logisch: Ein Pony ist kleiner als ein Pferd, wäre an Bord also auch besser zu verstauen. An Land könnten wir darauf reiten, auf See hätten wir Gesellschaft und einen dritten Mann zum Kartenspielen, und wenn er in eine längere Flaute kommt – könnte wir es essen. ;-)

Johannes

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Boris und Ryan haben versprochen, morgen ein paar neue Videos zu schicken. Ansonsten geht es den beiden gut. Sie rauschen gerade mit im Schnitt 18 Knoten hinter “Mirabaud” her, konnten sich bis auf 30 Meilen an die Schweizer heran kämpfen.

Hier zwei Videos von gestern:

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Zwischenstand beim Barcelona World Race am Sonntag (13. Feb, 18.00 Uhr):

1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich)
2. Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 504 Seemeilen zurück
3. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 627
4. Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) 908
5. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 1.471
6. Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) 1.796
7. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1.828
8. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 2.091
9. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Frankreich) 2.189
10. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 3.651
11. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 3.981
12. We are Water: Jaume Mumbrú (ESP) / Cali Sanmartí (beide Spanien) 4.057
Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch
Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch

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