Sonntagmorgen. Für die Landcrew ein entspannter Tag, bevor es morgen früh wieder zurück in den Alltag geht. Für Boris und Ryan hat der Alltag jedoch schon heute wieder angefangen – und in den letzten Tagen war an eine Verschnaufpause nicht zu denken. Dennoch: Sie sind mit ihrer “Neutrogena” wieder vollständig zurück im Rennen.

Die letzten Tage waren hart. Der Knockdown am Freitagabend war für alle ein Schock. Ein Wunder hingegen, dass sie den kostbaren Code-0 in der rauen See wiederfinden – und vor allem einfangen konnten. Dieses Manöver ist wohl einmalig in der Geschichte solch eines Hochseerennens. Jeder, dem mal ein Cap bei einem Ostseetörn mit einem Fahrensegler über Bord gefallen ist, weiß, wie schnell über Bord gegangene Gegenstände aus dem Sichtfeld verschwinden. Der Segelsack ist natürlich bedeutend größer, als ein Cap – dafür aber auch die See rauer und die Geschwindigkeit des Open60 wesentlich größer. Gestern Abend twitterte Boris einen kurzen Text und bedankte sich beim Albatross, der ihnen den Weg zurück zum Segel gezeigt hat: Thank you albatros for showing us our sail! (never seen one sitting before) this one must have thought “oh a sofa in the ocean – perfect”.

Boris verschlingt müde seine Tütennahrung

Boris und Ryan melden, dass an Bord der “Neutrogena” wieder die Normalität eingekehrt ist. Näheres wird Ryan gleich in einer Mail von heute morgen selbst erklären. Zuvor möchte ich allerdings nochmal darauf hinweisen, dass heute ein sehr lesenswerter, fast DIN-A3-großer Artikel von Boris in der Frankfurter-Allgemeinen-Sonntagszeitung (FASZ) erschienen ist. Er hat ihn in der vergangenen Woche selbst an Bord verfasst. Also, mein Tipp: Ab zum nächsten Kiosk, kaufen, lesen! :-) Boris schrieb heute Morgen eine kurze Mail und erwähnte, dass er sehr gespannt auf den Artikel ist. Er bekommt eine Kopie an Bord gemailt. Ansonsten hatte er offenbar immer noch nicht viel Zeit, zu tippen. Die beiden müssen immer noch sehr erschöpft sein. Vor allem nervt sicher das viele Salz unter Deck und in der Koje. Alles ist klebrig und feucht. Es wird noch ein paar Tage dauern, biss sie an einem sonnigen Tag mal den gemeinsamen Schlafsack mit Süßwasser (das sie erst selbst produzieren müssen …) reinigen können.

So, nun übersetz ich euch den Text von Ryan. Schönen Sonntag!

Johannes

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UPDATE — UPDATE — UPDATE (23 Uhr)

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Text von Ryan:

Hinter uns liegen zwei Tage in einer konfusen See. Glücklicherweise hatten wir aber genug Wind aus Südwest oder sogar West, um schnell voran zu kommen. Kurz nachdem wir gestern das Gate nahe der Crozetinseln passiert haben, sind wir gehalst, um mit den westlichen Winden so lang wir möglich Strecke machen können. Bisher klappt das soweit ganz gut, auch wenn die Brise etwas weiter rechts von uns ist, als vorhergesagt.

Das Leben an Bord kehrt langsam wieder zur Normalität zurück. Das Aufräumen und die Reparatur unseres explodierten Ballasttank-Rohrs hat das Bordleben in den letzten zwei Tagen beherrscht. Trotzdem haben wir weiter versucht, “Mirabaud” zu kriegen …

Ryan macht ein kleines Nickerchen im Niedergang

Hoffentlich werden wir nicht noch weitere Probleme bekommen. Die Reparaturarbeiten waren ziemlich umfangreich, aber jetzt sollte das Wasser dort bleiben, wo es hingehört – und nicht in unseren Vorräten, in den Werkzeugen, dem Schlafsack, …

Heute sollten Boris und ich wieder voll hergestellt sein, zu 100 Prozent einsatzfähig. Die hohen Geschwindkeiten und das raue Wetter sind eigentlich schon hart genug – die Probleme verstärken dann den Erschöpfungsgrad um ein vielfaches.

Doch wir setzen bald wieder die größeren Segel – sobald wir können.

Ryan

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Zwischenstand beim Barcelona World Race am Sonntagmittag (6. Februar):

1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich)
2. Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 581 Seemeilen zurück
3. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 650
4. Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) 718
5. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 991
6. Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) 1.536
7. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1.548
8. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Frankreich) 2220
9. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 2.348
10. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 2.903
11. We are Water: Jaume Mumbrú (ESP) / Cali Sanmartí (beide Spanien) 3.038
12. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 3.268
Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch
Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch

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