Die Nachricht schlug am Freitagmorgen (16. November) ein wie eine Bombe: Bei der Hochseeregatta Route du Rhum ist der überlegen führende Alex Thomson kurz vor dem Ziel an der Karibikküste von Guadeloupe auf Grund gelaufen. Trotz schwerer Schäden an seiner Open-60-Yacht „Hugo Boss“ konnte sich der Brite mit Hilfe des Motors selbst befreien und das Rennen fortsetzen. Er kam kurz vor halb zwei am Mittag ins Ziel. Unterdessen segelte der Hamburger Boris Herrmann mit der „Malizia Yacht Club de Monaco“ knapp 400 Seemeilen zurück weiter auf Platz fünf der IMOCA-Klasse und wird am Sonnabendmittag (17. November) in  Pointe-à-Pitre erwartet.

So nass kann das Segeln in den Passatwinden sein.

„Das Missgeschick von Alex ist wirklich kaum zu glauben“, meinte Herrmann, „aber bevor niemand weiß, wie das genau passiert ist, sollten voreilige Bewertungen unterbleiben.“ Nicht nur der 37-Jährige gönnt dem „ewigen Zweiten“ der Szene den Sieg bei diesem Regattaklassiker. Thomson gilt auch als einer der Favoriten bei der Vendée Globe 2020, wenn Herrmann ebenfalls als erster Deutscher an dem Solorennen nonstop um den Globus teilnehmen will. Die Route du Rhum wurde in den 40 Jahren seit der Premiere noch nie von einem Nicht-Franzosen gewonnen.

Spannend bleibt die Frage, wie die internationale Jury den Vorfall bewertet. Selbstverständlich ist der Gebrauch der Maschine während einer Segelwettfahrt nicht erlaubt. Ausnahmen gibt es allerdings bei Seenotfällen, was hier zweifelsohne der Fall gewesen ist. Dann könnte die Jury eine Zeitstrafe gegen Thomson verhängen, der trotz der Havarie jedoch noch mehr als 150 Seemeilen, also mehrere Stunden Vorsprung vor dem zweitplatzierten Paul Meilhat aus der „Sma“ und dessen Verfolger Yann Elies mit der „Ucar – Saint Michel“ (beide Frankreich) hatte. Herrmanns Rückstand auf den Vierten Vincent Riou und die „PRB“ betrug mehr als 100 Seemeilen.

Boris Herrmann skippert die IMOCA MALIZIA II bei der Route du Rhum Destination Guadeloupe allein über den Atlantik. Photo : Jean-Marie LIOT – www.jmliot.com

„Die Gegner vor mir sind alles Top-Segler. Die werden kaum noch Fehler machen“, glaubt der geborene Oldenburger nur an eine theoretische Chance, im Endklassement noch einen Rang gutmachen zu können. Allerdings sind die Winde rund um die Karibikinsel Guadeloupe oft schwach und drehend, so dass alle auf der Hut sein müssen, nicht in einem Flautenloch liegen zu bleiben. Mit Platz fünf würde Boris Herrmann indes sein vor dem Start hoch gesetztes Ziel erreichen und bei seiner Premiere viel Lob und Respekt einheimsen.

Die zweite Woche der 3.542 Seemeilen (6.660 Kilometer) auf See war trotz der warmen Witterung in den Passatwinden alles andere als Schönwettersegeln. Plötzliche Regenböen der Stärke sechs bis sieben, bei denen der Multi-50-Trimaran „Arkema“ kenterte, forderten die Teilnehmer nach dem stürmischen Auftakt seit dem Start in Saint-Malo weiter zu Höchstleistungen. „Dabei war die ‚Malizia‘ einmal derart aus dem Ruder gelaufen, dass sich der Spinnaker ums Vorstag gewickelt hatte, den ich bei stockdunkler Nacht nur sehr kraft- und zeitraubend retten konnte“, so Herrmann von Bord. Er freue sich nach zwölf Tagen auf den bevorstehenden Landfall und ein Wiedersehen mit dem Team, allen voran Freundin Birte Lorenzen, die das Rennen mit Schulkindern im Rahmen des Projekts Malizia Ocean Challenge zur Reinhaltung der Meere intensiv begleitet und verfolgt hat.

Pin It on Pinterest

Share This