BARCELONA/WELLINGTON. Boris Herrmann und Ryan Breymaier haben am Donnerstagvormittag (17. Februar) beim Barcelona World Race den sechsten Platz erobert. Das deutsch-amerikanische Duo überholte mit seiner Hochseesegelyacht „Neutrogena“ südlich von Tasmanien nach wochenlangem Zweikampf die „Mirabaud“ von Dominique Wavre und Michèle Paret (Schweiz/Frankreich). Im Zwischenklassement der 25.000 Seemeilen langen Regatta rund um den Globus betrug der Vorsprung 3,7 Seemeilen. An der Spitze warteten Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron in Wellington/Neuseeland, bis sie mit der „Virbac-Paprec 3“ am Freitag (18. Februar) um 11.11 Uhr deutscher Zeit nach einem Reparaturstopp und 48-stündiger Zwangspause das Rennen wieder aufnehmen dürfen. Da die Verfolger mit schwachen Winden vor der Küste zu kämpfen haben, könnten die Franzosen Platz eins sogar verteidigen. Der weitere Kurs führt rund Kap Hoorn nach Barcelona zurück, wo die Teilnehmer Anfang April erwartet werden.

„Wir sind überglücklich, dass wir nun endlich auch mal die Nase vorn haben“, sagte Boris Herrmann mittags über eine stark unterbrochene Satellitenverbindung, „wir kämpfen ja schon seit einem Monat mit der ‚Mirabaud‘.“ Oft hatten er und Breymaier die 18,29 Meter lange IMOCA Open 60-Yacht von Hand gesteuert, was auf Dauer enorm anstrengend ist. „Aber besonders bei unruhigem Seegang können wir das besser, also schneller und sicherer als der Autopilot.“ Hinzu kamen ungezählte Segelwechsel und ständiges Trimmen. Bis dato hatte der routinierte Wavre, der schon mehrmals um die Welt gesegelt ist, jedoch alle Angriffe der Youngster abgewehrt. Der Schweizer zollte der Leistung seiner Widersacher großen Respekt: „Boris und Ryan lassen uns keine ruhige Minute und segeln ein ausgezeichnetes Rennen. Wir stehen mit ihnen über Email in Kontakt und nehmen die Herausforderung an. Wir wollen wieder überholen.“

Vor zehn Tagen war die „Neutrogena“ einmal für kurze Zeit vorbeigezogen, dann aber nach einem Wassereinbruch über eine defekte Rohrleitung aus dem Ruder gelaufen. Ein Segel ging über Bord, musste gesucht werden, und die Aufholjagd ging von vorne los. „Dieser Zweikampf ist unglaublich motivierend“, verneinte der geborene Oldenburger Herrmann jeglichen negativen Druck aus dem Duell, „jetzt müssen wir schauen, ob wir die Position auch verteidigen können.“

Kurzfristig sieht das sehr gut für die „Neutrogena“ aus, die auf einer nördlicheren Route als ihr Gegner mehr Wind und zudem noch aus einer günstigeren Richtung hatte. „Vergangene Nacht ist eine Front durchgezogen“, so Herrmann weiter, „erst mussten wir den großen Spinnaker bergen, haben gehalst und auf Genua und ein Reff im Großsegel gewechselt. Der starke bis stürmische Wind nahm weiter zu und weht jetzt in Böen mit 30 Knoten, also Stärke sieben bis acht. Mit dem kleineres Solent-Vorsegel und doppelt gerefftem Groß erreichen wir noch Höchstgeschwindigkeiten von 27 Knoten.“ Das sind fast 50 km/h und lässt die noch 1.200 Seemeilen entfernte Cook-Straße zwischen der Nord- und Südinsel Neuseeland rasch näher kommen.

Unterdessen gibt es immer neue Gerüchte und Spekulationen, wer von den zwölf im Rennen verbliebenen Teilnehmern – zwei sind bereits wegen Mastbrüchen ausgeschieden – im neuseeländischen Wellington Reparaturstopps einlegen könnte, die allerdings laut Reglement mit einer 48-stündigen Zwangspause verbunden sind. Auf allen Yachten scheint es nach der strapaziösen Passage des Südpolarmeers seit dem Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) mehr oder weniger kleine Materialschäden zu geben.

Die „Hugo Boss“, zuletzt härtester Verfolger der „Neutrogena“, meldete Donnerstagmittag ein erhebliches Problem mit dem Großsegel. Schon Ende Januar sei die Führung, mit der es am Mast hochgezogen wird, auf einer Länge von 50 Zentimetern herausgerissen. Die schadhafte Stelle liege über dem ersten Reff. Deshalb könnten Wouter Verbraak und Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) schon lange nicht mehr Vollgas geben, hieß es vom Team. Umso erstaunlicher ist, dass die „Hugo Boss“ dennoch rasend schnell unterwegs war und bis auf 230 Seemeilen jetzt an die „Mirabaud“ heran kam. Noch hofft die Mannschaft, das Problem unterwegs beheben zu können, aber die Techniker und Teamchef Alex Thomsen sind bereits auf dem Weg nach Wellington …

„Die hohe Kunst ist, abzuwägen, ob der Verlust von zwei Tagen durch eine fachmännisch reparierte Ausrüstung in der zweiten Regattahälfte wettgemacht werden könnte“, erklärte der spanische 49er-Olympiasieger Iker Martinéz, Skipper der zweitplatzierten „Mapfre“. Er will eigentlich die Führung übernehmen, während die „Virbac-Paprec 3“ noch in Wellington festgehalten wird. Doch der Rückstand betrug zwölf Stunden vor der Rückkehr der Franzosen auf die Regattastrecke noch 350 Seemeilen, und das bei flauen Winden.

„Wir planen bisher jedenfalls nicht zu halten“, versicherte Boris Herrmann, „obwohl bei den harten Bedingungen jederzeit noch etwas kaputt gehen kann.“ Bei der Premiere des Barcelona World Race vor drei Jahren hatten nur zwei Schiffe nicht gestoppt, darunter der spätere Gesamtsieger und Titelverteidiger Jean-Pierre Dick. Die „Neutrogena“ und die „Mirabaud“, die jetzt im pazifischen Ozean unterwegs sind, werden am Sonntag (20. Februar) in der Cook-Straße erwartet. Sollten die noch 300 Seemeilen vor ihnen liegenden Spanier Pachi Rivero und Antonio Piris mit der „Renault“ halten, was die Skipper offen ließen, könnte es noch einen Platz nach vorne gehen. Ein Rang unter den besten Fünf ist das erklärte Regattaziel von Boris Herrmann und Ryan Breymaier.

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