Mit der Taufe der Hochseesegelyacht „Neutrogena“ begann für Boris Herrmann aus Hamburg und seinen US-amerikanischen Co-Skipper Ryan Breymaier die heiße Vorbereitungsphase auf das Barcelona World Race 2010-2011. Gegen 14 internationale Konkurrenten startet das Duo an Sylvester zur Nonstop-Regatta rund um die Welt. Sie führt über 25.000 Seemeilen um das Kap der Guten Hoffnung an Neuseeland vorbei rund Kap Hoorn zurück nach Spanien und wird rund drei Monate dauern.

Champagnerspritzer und Glücksscherben funkelten in der klaren Wintersonne, als Taufpatin Nicola Breymaier die Schampusflasche am Bug zerschlug. Gleich in fünf Sprachen taufte die Frau des US-Skippers das Boot auf den Namen „Neutrogena“: zunächst mit Respekt vor den Gastgebern auf Spanisch und Katalanisch, dann auf Deutsch, Französisch und Englisch. Wenn das kein gutes Omen ist – sehr zum Gefallen der beiden Skipper sowie des Hafenkapitäns von Barcelona, Jordi Valls, und des Chefs des Regattaveranstalters FNOB, Andor Serra. „Wir sind stolz, dass diese neue, junge Crew dabei sein wird, und danken deren gesamten Mannschaft für die harte Arbeit der vergangenen Monate“, sagte Serra, Initiator des Teams Neutrogena.

Der 29-jährige Boris Herrmann ist nicht nur der einzige Deutsche beim Rennen, sondern auch der erste Deutsche überhaupt, der auf einer gut 18 Meter langen Yacht vom Typ IMOCA Open 60 an einer Weltumseglung teilnimmt. Auch US-Boy Ryan Breymaier (35) repräsentiert als Erster und Einziger die Farben seines Landes. „Wir haben eine gemeinsame Passion und hatten den gleichen Traum“, beschreibt Herrmann die Partnerschaft, „ein bisschen Zufall, vor allen aber die Leidenschaft und der Enthusiasmus ganz vieler Menschen haben uns zusammengeführt. Auch denen möchten wir von ganzem Herzen danke sagen.“

Während Breymaier bereits seit mehreren Jahren in dem französischen Rennstall Team Kaïros in der Bretagne arbeitete, kam der Hamburger nach Concarneau, um nach seinem Class-40-Sieg beim Portimão Global Ocean Race 2009 im Epizentrum der Hochseesegelszene Erfahrung auf den sechs Meter größeren Yachten zu sammeln. „Zusammen 90 Tage rund um die Uhr auf engstem Raum zu verbringen, ist vor allem mental eine große Herausforderung“, so Herrmann, „da reicht es keinesfalls, eine reine Zweckgemeinschaft zu sein.“ So eint das Ziel zwei völlig unterschiedliche Charaktere zu Sportsfreunden, die sich von Tag zu Tag mehr auf ihre außergewöhnliche Herausforderung konzentrieren.

Bei ungezählten Interviews rund um eine große Vorabpressekonferenz mit allen 30 Skippern des zweiten Barcelona World Race war die positive Anspannung allenthalben zu spüren. „Wir geraten allmählich in eine Art Blase um uns herum und beginnen uns von der Außenwelt abzuschotten“, erklärt Boris Herrmann, „einerseits kommt es zwangsläufig, anderseits ist es gar nicht so einfach, an sich heranzulassen, dass es nun wirklich bald losgeht.“ Weihnachten wird der geborene Oldenburger nicht zu Hause feiern, sondern zwei freie Tage in Barcelona genießen. Aber er freut sich schon auf dem Besuch seiner Eltern und Freunde, die nach dem Fest zum Start nach Spanien kommen wollen. Herrmann: „Es gibt mir viel Kraft und Zuversicht zu wissen, welchen Menschen ich wichtig bin.“

Welche Bedeutung das Barcelona World Race für die Millionen-Stadt hat, dokumentierten Bürgermeister Jordi Hereu und einige Abgeordnete des spanischen Parlaments. Begleitet von einem Tross an Fotografen und Kamerateams schritten die Politiker die Pier ab, an der die 15 startenden Yachten festgemacht hatten, und Hereu überreichte eine Regattaflagge sowie symbolisch einen Tampen, um nach dem Rennen wieder in Barcelona festmachen zu können. Anschließend wurde das Moll Barcelona World Race genannte Racevillage, ein gigantisch großes Zelt mit Bar, Bühne und Ständen aller Partner und Syndikate an der Schokoladenseite Barceloneta eröffnet, wo bis Mitte April ein umfangreiches kulturelles Programm geboten wird. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die einheimischen Teams wie die zweimaligen Olympiamedaillengewinner im 49er, Iker Martínez und Xabi Fernández, und die Topfavoriten aus Frankreich, wie Titelverteidiger Jean-Pierre Dick, der diesmal mit Segellegende Loïck Peyron antritt. Boris Herrmann und Ryan Breymaier wurden ebenso herzlich begrüßt und willkommen geheißen.

„Die Organisatoren haben in der Stadt ein eindrucksvolles Setup geschaffen, das für uns ein spannendes, attraktives Zuhause auf Zeit ist“, sagen Boris Herrmann und Ryan Breymaier übereinstimmend, „da lohnt es sich für jeden Segelinteressierten, zum Start oder zum Zieleinlauf nach Barcelona zu kommen.“ Die Aktiven werden es Sylvester, also am Freitag, dem 31. Dezember, um 13 Uhr verlassen, aber nach mehr als 46.000 Kilometern auf See genauso gerne wieder ansteuern.

Weitere Informationen:
www.barcelonaworldrace.org
www.borisherrmannracing.com
www.breymaiersailing.com

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