BARCELONA. Das Barcelona World Race 2010–2011 kommt in eine vorentscheidende Phase. Gelingt es den führenden Franzosen Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron am Wochenende mit der „Virbac-Paprec 3“ als Erste die Flautenzone am Äquator in den Nordatlantik zu verlassen, dürfte ihnen der Gesamtsieg bei der Nonstop-Regatta rund um die Welt kaum noch zu nehmen sein. Am Freitagvormittag (18. März) lagen die Spanier Iker Martínez/Xabi Fernández mit der „Mapfre“ 183 Seemeilen zurück. Dahinter bahnt sich ein Dreikampf um den dritten Podiumsplatz an, den auch der Deutsche Boris Herrmann mit seinem US-amerikanischen Co-Skipper Ryan Breymaier auf der „Neutrogena“ noch erreichen könnte. Allerdings bleibt das Duo 4.200 Seemeilen bis zum Ziel in Barcelona, das um den 7. April herum erreicht werden könnte, durch einen Kielschaden am Boot gehandikapt.

Bange Blicke auf die fünfstündigen Positionsreports offenbarten Herrmann und Breymaier, dass ihre spanischen Verfolger Alex Pella und Pepe Ribes mit der „Estrella Damm“ den Vorsprung der viertplatzierten „Neutrogena“ fast egalisiert haben. Er betrug am Freitagvormittag nur noch 14,5 Seemeilen – rund eine Stunde. Allerdings hatte auch die „Renault“ von Pachi Rivero und Antonio Piris (beide ebenfalls Spanien) auf Rang drei Boden verloren und lag nur noch 171 Seemeilen voraus. Sie waren in eine Übergangszone zwischen zwei Wettersystemen geraten, die ihnen noch weitere Verluste bringen dürfte. So könnte die nächste Woche, wenn auf das Trio eine breite Flautenzone vor dem Äquator zukommt, spannende Positionskämpfe bei stark schwankende Wind- und Bootsgeschwindigkeiten bringen.

Boris Herrmann schreibt dazu in seinem Blog auf www.ndr.de/segeln:

„Nach zwei Verschnauf-Tagen in phantastischen Bedingungen steht uns nun wieder eine Prüfung bevor, eine große Zone leichter, schwer vorhersagbarer und unsteter Winde. Während wir hier unter subtropischer Sonne gebraten werden ackern wir in solchen Bedingungen mit den größten, also auch schwersten Segeln, dem großen Spinnaker und Gennaker, zwischen denen wir Donnerstag schon zweimal gewechselt haben, was jedes Mal etwa eine Stunde harte Arbeit bedeutete. Langsame Geschwindigkeiten und das Vorbeiziehen von ‚Estrella Damm‘ zerren an den Nerven. Aber wir sind gut vorbereitet. Wir haben das ja kommen sehen und uns in den vergangenen zwei Tagen entspannt und etwas erholt.

Die Nächte sind wunderschön mit funkelnden Sternen. Es ist angenehm warm. Der Mond leuchtet wie selten, so dass man schon an Sonnencreme (Mondcreme) denkt. Unterbrochen wurde unsere ereignislos-harmonische Fahrt am Vortag durch eine Patenthalse, verursacht von einer großen Welle. Es ist nichts kaputt gegangen, auch wenn es dramatische Minuten waren, bis wir das auf 85 Grad auf die Seite gekenterte Schiff wieder auf Kurs hatten.

Dennoch tritt das Thema Bruch und Sicherheit allmählich in den Hintergrund, ich hoffe und denke ein für alle Mal, denn in den vor uns liegenden gemäßigten Breiten gibt es selten starke Tiefdruckgebiete. Das letzte Stück bis Gibraltar könnte noch mal windig werden, aber das ist ja noch etwas hin.

Was unsere Geschwindigkeitseinbuße zu ‚Estrella‘ angeht sind wir etwas ratlos. Sie müssen in den zurückliegenden Stunden im Westen besseren Wind gehabt haben. Außerdem ist ein Teil des Geschwindigkeitsverlustes auf unseren nicht ganz ausgeschwenkten Kiel zurückzuführen, und letztlich sind leider die neueren Konstruktionen ‚Renault‘ und ‚Estrella‘ in diesen Bedingungen schneller als die ‚Neutrogena‘. Sie haben ein effizienteres, länger gezogenes Unterwasserschiff und sind etwas leichter.

Also dürfen wir uns nicht aufregen oder frustrieren. Wir geben weiter alles, und abgerechnet wird wie immer im Ziel, das ja noch fast 20 Tage entfernt ist.“

Immerhin scheint ein Platz unter den Top fünf – erklärtes Regattaziel von Boris Herrmann und Ryan Breymaier vor dem Start – nach hinten weitgehend abgesichert. Auf Rang sechs folgt die einzige reine Frauencrew im Rennen mit Dee Caffari aus Großbritannien und der Spanierin Anna Corbella auf der „GAES“. Sie liegen allerdings schon mehr als tausend Seemeilen zurück. Und die „Hugo Boss“ mit Wouter Verbraak und Andy Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) liegt für mindestens 48 Stunden zur Reparatur ihrer Segel auf den Falkland-Inseln fest, nachdem die Mannschaft das zuvor im Landschutz schon zwei Tage auf eigene Faust vergeblich versucht hatte. Das Team der „Mirabaud“ mit Dominique Wavre und Michéle Paret (Schweiz/Frankreich) hat nach seinem Mastbruch 150 Liter Diesel von der argentinischen Marine erhalten, um schneller und sicher nach Mar del Plata zu gelangen. Das Rennen haben sie danach auch offiziell aufgegeben.
(Ende)

Weitere Informationen und während des Rennens aktuelle Positionsmeldungen:
www.barcelonaworldrace.org
www.borisherrmannracing.com
www.breymaiersailing.com

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Zwischenstand beim Barcelona World Race am Freitagvormittag (18. März):

1. Virbac-Paprec 3: Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich) noch 3.117 Seemeilen
2. Mapfre: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 183,1 Seemeilen zurück
3. Renault: Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 922,7
4. Neutrogena: Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1.093,9
5. Estrella Damm: Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 1.108,4
6. GAES: Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Spanien) 2.192,4
7. Hugo Boss: Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 3.350,5
8. Fòrum Marítim Català: Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 4.210,4
9. We are Water: Jaume Mumbrú / Cali Sanmartí (beide Spanien) 6.160,4
10. Central Lechera Asturiana: Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 8.433,3
Président: Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) aufgegeben mit Mastbruch
Foncia: Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch
Groupe Bel: Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) aufgegeben mit Kielschaden
Mirabaud: Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) aufgegeben mit Mastbruch

Der Zwischenstand der Regatta mit den genauen Positionen der Teilnehmer ist mit Hilfe eines Fleettrackers im Internet unter www.barcelonaworldrace.com oder www.borisherrmannracing.com zu verfolgen. Viermal pro Tag werden die Positionsmeldungen über Satellit aktualisiert, und jeweils gegen 5, 10, 15 und 20 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Täglich gibt es per Email einen aktuellen Bericht von Bord, mindestens einmal wöchentlich Fotos und ein Video von Boris Herrmann und Ryan Breymaier unterwegs.