BARCELONA/WELLINGTON. Schwere Stürme im Südpazifik haben die Teilnehmer am Barcelona World Race, der Non-Stop-Segelregatta für Zweiercrews rund um die Welt, arg gebeutelt. Orkanböen und haushohe Wellen forderten Mensch und Material aufs Äußerste. Der Deutsche Boris Herrmann und Ryan Breymaier aus den USA verteidigten mit der „Neutrogena“ den vierten Platz, scheiterten aber bei mehreren Angriffen auf die drittplatzierte „Renault“ der Spanier Pachi Rivero und Antonio Piris. Der Rückstand betrug am Donnerstagvormittag (4. März) gut 100 Seemeilen. An der Spitze hatte die französische „Virbac-Paprec 3“ mit Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron am Vortag das legendäre Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas gerundet und befand sich östlich der Falkland-Inseln. Bis zum Zieleinlauf in Barcelona, der ab Anfang April erwartet wird, sind es von dort noch rund 6.500 Seemeilen.

Die besorgniserregendste Nachricht kam vom Schweizer Dominique Wavre von Bord der „Mirabaud“. Seine Co-Skipperin und Ehefrau Michele Paret aus Frankreich wurde bei einem Manöver im Cockpit bewusstlos und erholt sich seitdem unter Deck von den Strapazen. Sie leidet schon seit einem Monat unter Blutarmut und hatte bei der Passage Neuseelands vom Rennarzt zusätzliche Medikamente mitbekommen. „Derzeit muss ich das Boot allein segeln“, erklärte Wavre die etwas reduzierte Geschwindigkeit des Teams, das auf Rang fünf rund 140 Seemeilen hinter der „Neutrogena“ zurücklag. „Wir hoffen jedoch, dass sich der Zustand von Michele verbessert und sie ohne Stopp bis ins Ziel nach Barcelona durchhält.“

Nachdem die „Mirabaud“ vor Neuseeland überholt worden war, hatten Boris Herrmann und Ryan Breymaier im Südpazifik den Rückstand auf die „Renault“ schrittweise bis auf 13 Seemeilen reduziert. Das ist bei Geschwindigkeiten von mehr als 20 Knoten nur eine gute halbe Stunde. „Einmal hatten wir nachts das erste Mal seit langem unsere Positionslaternen wieder angeschaltet, um auf keinen Fall eine Kollision zu riskieren“, so Herrmann. Doch bei schwerem Wetter mit acht bis neun Windstärken und steiler, kurzer Welle wählte das deutsch-amerikanische Duo schließlich eine konservativere Strategie. „Es bringt nichts, hier jetzt das Allerletzte aus dem Boot raus zu prügeln und Schäden in Kauf zu nehmen“, meinte der geborene Oldenburger, „die Entscheidungen fallen eh erst auf dem letzten Teilstück.“

Zuletzt teilten sich die Wege der „Neutrogena“ auf einem südlicheren Kurs von der „Renault“ weiter im Norden. Von hinten kommen allerdings auch die beiden Yachten auf, die während ihrer Reparaturstopps in Wellington/Neuseeland überholt worden waren. Und die Windvorhersagen für die „Groupe Bel“ von Kito De Pavant und Sébastien Audigane aus Frankreich, zuletzt nur noch gut 100 Seemeilen hinter der „Mirabaud“ auf Platz sechs und die Siebte „Estrella Damm“ der Spanier Alex Pella und Pepe Ribes sind günstig, nachdem diese beiden hinter Neuseeland zunächst mit den Ausläufern des ehemaligen Hurrikans „Atu“ zu kämpfen hatten.

Für Anfang der zweiten März-Woche, vermutlich in der Nacht zu Dienstag (8. März), steht für die zusammenrückende Verfolgergruppe die Rundung der Seefahrer-Legende Kap Hoorn auf dem Programm. Herrmann hatte den magischen Punkt 2009 beim Portimão Global Ocean Race zusammen mit dem Hamburger Felix Oehme auf der kleineren Yacht „Beluga Racer“ zum ersten Mal passiert, bevor sie die Fünf-Etappen-Regatta um die Welt sensationell gewannen. „Das ist und bleibt ein ganz außergewöhnlicher Moment in der Karriere eines Seglers“, freut sich der 29-jährige auf das Angesicht der Felsen, an denen der Regattakurs Richtung Norden in den Südatlantik abknickt. Der Rückstand auf die Führenden betrug zuletzt rund 1.700 Seemeilen, umgerechnet ungefähr knapp eine Woche.

Bis vor Kap Hoorn hatten die spanischen 49er-Olympiasieger von 2004, Iker Martínez und Xabi Fernández, mit der „Mapfre“ die „Virbac-Paprec 3“ gejagt. Auch deren Rückstand reduzierte sich ähnlich wie zwischen der „Neutrogena“ und der „Renault“ zeitweise auf unter 20 Seemeilen. Doch überholen konnten sie nie. Und in einem schweren Sturm mit Böen von mehr als 50 Knoten ging ein Fall zu Bruch, mit dem das Vorsegel hochgezogen wird. Hinter Kap Hoorn suchte die Mannschaft an der Insel Nueva Schutz und ging zur Reparatur vor Anker. Die Franzosen zogen auf mehr als 270 Seemeilen davon. Die „Mapfre“-Crew wollte unbedingt einen Stopp mit externer Hilfe an Land verhindern, der laut Reglement eine 48-stündige Zwangspause bedeutet hätte.

Keine Wahl hatten dagegen Juan Merediz und Fran Palacio (ebenfalls aus Spanien). Vor Neuseeland brach der Mast ihrer „Central Lechera Asturiana“ auf halber Höhe. Am Donnerstag lag das Boot im Hafen der neuseeländischen Hauptstadt Wellington, wo zuvor nicht nur ihre direkten Gegner auf Platz zehn, Gerard Marín und Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) mit der „Fòrum Marítim Català“ zu technischen Reparaturen angehalten hatten, sondern auch drei Boote aus dem Vorderfeld. Auch das spanische Schlusslicht „We are Water“ mit Jaume Mumbrú und Cali Sanmartí (beide Spanien), das in einer extremen Bö gekentert war, wobei viel Wasser ins Schiffsinnere eindrang, und sich noch vor Neuseeland befindet, dürfte dort aufstoppen. Der Rückstand auf die Spitze beträgt schon mehr als 5.000 Seemeilen. Mit einer Zielankunft wird nicht vor Ende April/Anfang Mai gerechnet.