Gestern Mittag sind wir durch die angekündigte Front gesegelt. Es lief ziemlich gut. Der Wind drehte etwas nach Süden und nahm von 25 auf 15 Knoten ab. Bis zum Abend segelten wir in einer netten Brise weiter, immer entlang der Loxomodrome.

Mit der Hoffnung auf gute Segelbedingungen bis zum nächsten Gate machten wir uns an einige kleine Reparaturen, die nach dem rauen Ritt angefallen waren. Abends waren wir dann beide ziemlich kaputt und müde, nach einem langen Tag. Wir wünschten uns, dass die angenehmen Segelbedingungen so bleiben würden. Doch dann geschah es:

Plötzlich baute sich ein enormer Schwell auf. So eine hohe Dünung habe ich noch nie zuvor gesehen. Die Wellen kommen direkt von hinten. Ab und an rollt so ein Kaventsmann von achtern durch und reißt uns aus dem Kurs, bis zu 90 Grad!

So eine chaotische See ist unvorstellbar. Einen Moment lang siehst du eine Welle hinter dir, so hoch wie der Mount Everest – den nächsten Augenblick ein Loch, so tief wie der Grand Canyon.

Das ist ziemlich kontraproduktiv für unser Vorwärtskommen – denn wenn wir viel Segel setzen, um schnell voran zu kommen, laufen wir Gefahr mit der Nase zuerst in den Grand Canyon zu tauchen. Das ist ein ganz schön harter Schlag fürs Schiff. Wenn wir den Everest hinunter surfen, gerät das Schiff ausser Kontrolle: Der Autopilot reißt dann mal nach rechts, mal nach links, um den Schlingerkurs auszugleichen und wir pendeln mit 20 Grad Kursabweichung durch die See.

Also haben wir die Segelfläche auf ein bestimmtes Level reduziert, bei dem die Nasentauch-Aktionen in einem akzeptablen Level bleiben. Wir nehmen dafür den Geschwindigkeitsverlust in Kauf, versuchen dafür aber einen möglichst idealen Kurs (ohne Schlenkerbewegungen) zum Wind zu steuern. Glücklicherweise ist dieser Kurs meist auch der schnellste – und wir jagen zeitweise immer noch mit 20 Knoten übers Wasser, wenn das Boot bei der Abfahrt von den Wellen beschleunigt.

Wie schön wäre es, wenn wir mal einen typischen Tag im Southern Ocean erleben könnten. Ohne Flaute oder sonstigen ungewöhnlichen Bedingungen. Einen Tag mit den berühmten, majestätischen, formschönen  Reihen von gigantischen Wellen …

Irgendwann vielleicht mal :-)

Ryan

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Diesen Text hat Ryan heute Morgen geschrieben und auf seiner Facebook-Seite gepostet. Es scheint, als würden die beiden dort unten weiterhin keine typischen Bedingungen vorfinden. Zur Zeit sind sie nur mit 2,7 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs, stecken also vermutlich wieder in einer Flaute. “Mirabaud” liegt 108 Meilen vor ihnen und segelt nur etwas schneller, immerhin 6,6 Knoten. “Virbac Paprec 3” scheint 1.400 Meilen weiter östlich bessere Bedingungen vorzufinden, segelt 10,2 Knoten. Es scheint, als hätte sich der mittlere Teil der Flotte wieder einmal fest gefahren, während die Nachzügler langsam näher kommen. “Hugo Boss” konnte sich auf Platz 9 durchschlagen und nähert sich mit 14,2 Knoten Durchschnitt.

Hier der aktuelle Stand (Montagabend, 22 Uhr):

1. Virbac-Paprec 3 – Jean-Pierre Dick / Loïck Peyron (beide Frankreich)
2. Mapfre – Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien) 599 Seemeilen zurück
3. Estrella Damm – Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien) 720
4. Groupe Bel – Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich) 740
5. Renault – Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien) 890
6. Mirabaud – Dominique Wavre / Michèle Paret (Schweiz/Frankreich) 1262
7. Neutrogena – Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA) 1371
8. Gaes – Dee Caffari / Anna Corbella (Großbritannien/Frankreich) 1593
9. Central Lechera Asturiana – Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien) 1923
10. Hugo Boss – Wouter Verbraak / Andrew Meiklejohn (Die Niederlande/Neuseeland) 2042
11. We are water – Jaume Mumbrú (ESP) / Cali Sanmartí (beide Spanien) 2045
12. Fòrum Marítim Català – Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich) 2151

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